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Strohstall ohne Einstreu-Stress
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Häckselstroh

Strohstall ohne Einstreu-Stress

Strohstall ohne Einstreu-Stress

Soll ein neuer Schweinemaststall gebaut werden, stellt sich oft die Frage, ob ein Stall mit Güllesystem oder mit Stroheinstreu besser ist. Verbraucher fordern mehr Tierwohl – und Strohställe gelten da als besonders vorteilhaft. Allerdings erfordert das Handling des Strohs mehr Arbeits­aufwand, und die Baukosten pro Tierplatz sind höher.

 

Diese Überlegungen beschäftigten auch Gesa Langenberg, als sie 2017 den elterlichen Familienbetrieb im niedersächsischen Bockstedt übernahm und neu investieren wollte. Die Schweinehaltung war hier immer schon ein wichtiges Standbein. Zwar nahm der Betrieb bereits an der Initiative Tierwohl teil, doch Gesa Langenberg ahnte, dass dies vielen Konsumenten nicht weit genug geht. So besichtigte sie ab 2019 zusammen mit ihrem Mann Dr. Josef Langenberg verschiedene innovative Strohställe, um sich Anregungen zu holen. Am meisten beeindruckte sie der Außenklimastall eines österreichischen Stallbauers, weil er voll auf das Ziel „mehr Tierwohl“ ausgerichtet ist und besonders geringe Emissionen aufweist. Auf Basis dieses Konzepts wurde nun ein älteres Stallgebäude zu einem Außenklimastall mit 440 Mastplätzen umgebaut und im Sommer 2022 die ersten Tiere eingestallt.

Der Rohrkettenförderer transportiert das Kurzstroh zu je einem Vorratsbehälter über den Ruhebuchten. Von dort fällt es zu vorprogrammierten Zeiten in die Buchten hinab.

Nur der Ruhebereich, der sich im überdachten Innenraum des Stallgebäudes befindet, wird mit Häckselstroh eingestreut. 

Dreiteilung der Mastbuchten

Die Besonderheit des neuen Stalls, der mit zwei mal elf Buchten für je 20 Tiere bestückt ist, ist die Dreiteilung jeder Mastbucht in einen Ruhebereich, einen Fressbereich und einen Kotbereich. Lediglich der Ruhebereich, der sich im überdachten und klimatisierten Innenraum des Stallgebäudes befindet, wird mit Häckselstroh eingestreut, die anderen beiden Bereiche hingegen bleiben strohlos. Vom Ruhebereich gelangen die Tiere über eine Klapptüre in den planebenen Fressbereich mit den Futterautomaten. Von dort geht es weiter zum Kot- und Harnbereich mit Tränkebecken und einem Boden aus Kunststoffrosten. Die Fress- und Kotbereiche der Buchten befinden sich unter einem Abdach direkt an den Seitenwänden des Stallgebäudes. In diesem Außenbereich erfolgt die Klimatisierung mithilfe von Windschutznetzen.

 

Wer glaubt, dass der offene Außenstall zu erhöhten Geruchs­emissionen führt, irrt. Denn in den Kotbereichen ist unterhalb der Kunststoffroste eine Schieberentmistung installiert, die den Kot aufnimmt und regelmäßig abschiebt. Der Urin hingegen fließt in eine separate Rinne und wird sofort abgeführt. Diese Trennung von Kot und Harn sorgt dafür, dass die Emissionsvorgaben erfüllt werden und kaum noch unangenehme Gerüche wahrnehmbar sind.

 

Automatische Verteilung des Häckselstrohs

Der Arbeitsaufwand für die Einstreu im Ruhebereich ist dank einer Anlage zur automatischen Verteilung von Häckselkurzstroh, der sogenannten „Strohmatic“, bei weitem nicht so hoch, wie man es von anderen Strohställen kennt. Das Funktionsprinzip dieser Anlage ist genial: Zunächst legt man mit dem Frontlader einen von einer QUADRANT mit Vorbauhäcksler gepressten Quaderballen in einer großen Stahlkiste mit Kratzboden ab und entfernt anschließend die Ballenbänder.

 

Wenn dann die Anlage eingeschaltet wird, rupft der Kratzboden das Kurzstroh vom Ballen ab. Dieses Stroh wird in einem geschlossenen System durch eine Entstaubungsanlage geführt und anschließend an einen Rohrkettenförderer mit 80 mm Durchmesser übergeben. Dieser Förderer leitet das Kurzstroh per Kreisleitung zu den Ruhebuchten und füllt über jeder Bucht einen 15-Liter-Vorratsbehälter auf. 

Am Fuß dieser Behälter befinden sich Klappen, die per Zeitsteuerung automatisch geöffnet werden, sodass das Stroh in die Buchten fällt und dort von den Schweinen verteilt wird.

 

Bei dieser Anlage kommen die besonderen Vorteile von gehäckseltem Stroh, das mit einem SPECIAL CUT Vorbauhäcksler vor einer QUADRANT Quaderballenpresse verarbeitet wurde, besonders gut zum Tragen. Nur diese feinen Kurzstrohpartikel sind klein genug, um problemlos durch den Rohr­kettenförderer mit einem Durchmesser von nur 80 mm gefördert zu werden. Zudem sind sie weicher und saugfähiger als ungehäckseltes Stroh. Das kommt dem Tierwohl zugute. 

 

Das gepresste Häckselstroh wird in dieser Stahlkiste per Kratzboden in kleinen Portionen abgekratzt, anschließend automatisch entstaubt und über einen Rohrkettenförderer weitertransportiert.

Der Fressbereich mit den Futterautomaten sowie der Kot- und Harnbereich werden nicht eingestreut.

Ausmisten entfällt

„Das neue Stallsystem funktioniert sehr gut. Da die Schweine im Ruhebereich weder koten noch Harn absetzen, bleibt das Stroh frisch. Ein wenig Stroh fressen sie, ein bisschen tragen sie nach draußen. So wird jeden Tag zeitgesteuert und automatisch immer genau so viel nachgestreut, dass sie eine schöne Strohmatte im Stall haben. Und ausmisten müssen wir tatsächlich nicht mehr. Bei 440 Tieren verbrauchen wir etwas mehr als einen Ballen Kurzstroh pro Woche, also etwa 60 Ballen im Jahr“, erklärt Josef Langenberg.

 

Werden neue Ferkel eingestallt, dauert es maximal fünf Tage, bis sie die Aufteilung der Funktionsbereiche angenommen haben. Ganz selten gibt es mal Gruppen, die ihren Kot etwas länger im Ruhebereich absetzen. „In solchen Fällen versuchen wir, den Kot möglichst schnell zu entfernen. Es kann dann weitere vier bis fünf Tage dauern, bis die Bucht nicht mehr verschmutzt wird“, so der Landwirt.

 

Höhere Baukosten, bessere Vermarktung

In Bezug auf die Mastleistungen der Tiere hat sich gezeigt, dass die Futterverwertung im neuen Tierwohl-Stall genauso gut ist wie in konventionellen Ställen. Im Sommer 2023 waren die biologischen Leistungen sogar etwas besser. „Auch das Problem des Kannibalismus haben wir im neuen Stall nicht mehr, sodass die Schwänze der Ferkel nicht mehr kupiert werden müssen“, beschreibt Josef Langenberg einen weiteren Vorteil. 

 

Dass die Schweine mit 1,5 m2 pro Tier in dem neuen Stall doppelt so viel Platz haben wie der gesetzliche Mindeststandard vorschreibt, kommt ebenfalls dem Tierwohl zugute. Auf der anderen Seite sind u.a. deswegen die Baukosten im Vergleich zu einem Standardstall höher. Sie liegen je nach den örtlichen Bedingungen zwischen 1.200 und 1.500 € pro Stallplatz. Dies wirft die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf. „Damit sich das rechnet, muss man also auch höhere Erlöse erzielen. Auch das haben wir geschafft, indem wir die Schweine über Kanäle vermarkten, mit denen wir höhere Preise erzielen können, als wenn wir sie ganz normal verkaufen würden“, berichtet Gesa Langenberg. „Einzelheiten dazu will ich allerdings nicht verraten“, fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu. „Nur so viel: Wir arbeiten mit einem Schlachthof zusammen, der mit neuen Vermarktungskonzepten erfolgreich ist.“ Insgesamt sind die Erfahrungen mit dem neuen Tierwohl-Stall so positiv, dass Gesa und Josef Langenberg nun auf Basis des neuen Konzepts einen weiteren Stall für 990 Mastplätze bauen. 

 

Den Artikel gibt's in unserer TRENDS Ausgabe IV/2024.