Was waren aus Ihrer Sicht wichtige Meilensteine in der Entwicklung des Traktors?
Der Weg hin zum heutigen, universell einsetzbaren Traktor war lang und voller technischer Innovationen. Jedes einzelne Bauteil des Traktors hat eine eigene, von Erfolg und Misserfolg geprägte Geschichte. Will man sich auf drei Meilensteine beschränken, dann gehört die Erfindung der Zapfwelle durch Albert Gougis zu Beginn des 20.Jahrhunderts zweifellos dazu. Epochal waren auch die Entwicklung von Hydraulik und Dreipunktaufhängung durch den Iren Harry Ferguson. Bleibt schließlich die Hinzufügung des Luftgummireifens Anfang der 1930er Jahre durch nordamerikanische Reifenkonzerne. Durch sie wurde der Traktor im Acker und auf der Straße gleichermaßen gut einsetzbar.
Welche vom heutigen Standardtraktor abweichenden Spezialentwicklungen gab es?
Die Kreativität der Ingenieure war – wenn es um Spezialkonstruktionen des Traktors ging – nahezu unbegrenzt. Lange Zeit besonders erfolgreich waren Raupenschlepper. Sie wirkten bodenschonend und machten den Traktor in hohem Grade geländegängig. Nach dem Weltkrieg erfreuten sich Geräteträger einiger Beliebtheit. Sie kombinierten den Traktor eng mit Arbeitsmaschinen und -geräten und eröffneten die Möglichkeit des Einsatzes in mehreren Anbauräumen. Vor allem bei klein- und mittelbäuerlichen Betrieben sowie in Sonderkulturen genossen Geräteträger Wertschätzung. Potenzial gesehen wurde ferner bei den sogenannten Schnellläufern. Sie wurden nachgefragt, wo neben der Ackerarbeit lange Wegstrecken zurückzulegen waren. Bleiben schließlich die Tracs. Als Zweiwegeschlepper mit hoher Zugkraft kommen sie vor allem in der professionellen Landwirtschaft zum Einsatz.
Wohin könnte sich Ihrer Meinung nach der Traktor in Zukunft entwickeln?
Der Traktor wird das Herzstück der motorisierten Landwirtschaft bleiben. Allerdings wird er mehr als bisher „mitdenken“. Seine Fähigkeit, Daten zu speichern und aufzubereiten, versetzt ihn in die Lage, überall dort, wo dem Menschen Grenzen gesetzt sind, den Betrieb zu optimieren. Dazu zählen autonomes Fahren, vernetztes Arbeiten mit angehängten oder angebauten Landmaschinen sowie die Überwachung von Pflege- und Wartungsdiensten. Will man die zukünftige Funktion des Traktors mit einem Slogan kennzeichnen, dann könnte er „Der Traktor, dein starker Freund und Helfer“ lauten.





