Skip to main content
Landmaschinen
Digitale Lösungen
Service & Parts
Erleben
Presse
Über CLAAS

#AgriCulture

 

Generationenwechsel auf dem Bauernhof: Wenn die Jungen übernehmen und alte Weisheiten neu lernen.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Im Kleinen, wenn im Frühling die ersten Samen keimen. Im Großen, wenn eine neue Generation den Hof übernimmt. Beim Gang über den alteingesessenen landwirtschaflichen Betrieb erzählen Jungbauer Simon Nienaber, 20, und sein Vater Andreas, 57, von den Herausforderungen der Hofübergabe und den Chancen des Neubeginns. 

Bald soll dies sein Hof sein. 

 

Seit 1768 gehört die heute auf 50 Hektar angewachsene Landwirtschaf der Familie. Die Anbaufläche für Gerste, Triticale, Weizen, Mais und Raps dient der Fütterung der rund 1000 Schweine. „Ich habe immer gesagt, mit 60 Jahren ist bei mir Schluss“, sagt Betriebsleiter Andreas, heute 57 Jahre alt. Dann sollte Sohn Simon ran. 

 

Der Zeitplan wird nicht ganz aufgehen. Simon reist noch nach Kanada für ein landwirtschaftliches Praktikum, beginnt danach ein Bachelorstudium, macht vielleicht noch seinen Master, fünf Jahre dauert das bestimmt. Und ein paar Ideen, wie der Hof nach all der Zeit anders betrieben werden könnte, die hat er heute schon.

Rund 220.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Deutschland, bei circa 110.000 von ihnen ist der Hof in den Händen eines Ü-55-Bauern. Nur knapp ein Drittel hat eine Hofnachfolge, so das Statistische Bundesamt. Simon ist einer davon. 


Der Jungbauer geht zielstrebig in einen der drei Schweineställe, alle Wege hat er verinnerlicht, jede Bewegung kommt natürlich. „Alle neun Wochen bekommen wir neue Ferkel, etwa 300 bis 350 Stück“, sagt er. Die Ferkel kommen aus Deutschland, mit einer Anfahrt von maximal drei Stunden. Das bedeutet weniger Stress für die Tiere als lange Wege.

 

In 100 Tagen werden aus den Ferkeln 120 Kilo schwere Schweine. „Die Arbeit im Stall, mit den Tieren, sie aufwachsen zu sehen, das macht mir Spaß“,  sagt er und lächelt dabei sanft. Er fügt hinzu: „Danach wird Fleisch produziert“. 

„Die Arbeit im Stall, mit den Tieren, sie aufwachsen zu sehen, das macht mir Spaß.“ 

 

Simon, 20 Jahre jung, einnehmendes Lächeln, Smartwatch am Arm, das weiße T-Shirt lässig passend zu den Sneakern, steht auf dem elterlichen Hof in Oelde am östlichen Rande des Münsterlandes in Nordrhein-Westfalen.

 

Wie es weitergeht auf dem Hof nach der Übergabe? „Dann will ich an die Haltungsform für die Tiere ran“, sagt Simon. Dem Vater geht’s vor allem um den Sohn: „Von mir aus kann Simon eine Fischzucht, Fliegenzucht oder sonstiges Uriges machen – solange er glücklich ist, den Hof behält und seinen Unterhalt verdienen kann“.

 

 

Rückblick: Es ist 1996, da entscheidet sich das junge Paar, Andreas und seine Frau Hildegard, für einen Bruch mit der familiären Tradition. Die Bullenzucht wird aufgegeben, zu anstrengend und zu unrentabel für den Betrieb im Nebenerwerb. „Die Verwandtschaft fand das nicht gut“, erinnert sich Andreas an seinen eigenen Nachfolgekonflikt. Heute, fast 30 Jahre später, sind nur noch Schweine da, Bullen waren mal. „Das war die richtige Entscheidung“, sagt Vater Andreas.


Der Hof lebt und wächst mit der Familie: Ende der neunziger Jahre installieren sie eine automatische Fütterungsanlage für die Schweine. Inzwischen wird alles durch neueste Technologie getrackt: Essen, Wasserverbrauch, Temperatur – per Sensor und via Cloud verbunden. Platzt oder leckt irgendwo ein Rohr, ertönt ein Alarmsignal. Das haben Andreas und Simon 2018 gemeinsam eingeführt. „Läuf gut“, sagt Andreas. „Läuf gut“, findet auch Simon, da muss er erstmal nicht ran, wenn er übernimmt.  

Wo er aber noch ran muss: Simon experimentiert mit Zwischenfrüchten. „Die Spezialsaatmischung durchwurzelt den Boden besonders, Leguminosen binden Stickstoff“, sagt Sohn Simon. „Ich dachte erst, der hat jetzt 1000 Euro in den Sand gesetzt“, sagt Vater Andreas. „Hab‘ ich aber nicht“, sagt Simon mit einem leichten Schulterzucken. „Der Mais sieht top aus, darauf bin auch ich stolz“, sagt Andreas.


Im Oktober 2023 trifft die Experimentierfreude des Sohnes auf die Erfahrung des Vaters. Sie sind sich uneinig, wann gesät werden soll. Eine späte Aussaat kann das Risiko für Pflanzenkrankheiten und Unkrautbefall bei Winterweizen verringern. Andere Landwirte warten. Auch Simon. Der Vater lässt den Sohn zunächst wortlos gewähren, einen Tag, zwei Tage, irgendwann wird das Schweigen zu laut und Andreas steigt auf den Traktor, fährt aufs Feld. Kurz vor dem Regen ist die Arbeit erledigt. 
 

„Manchmal ist es besser, auf die Erfahrung zu hören“, sagt Simon heute im Rückblick. „Und manchmal ist es gut, dass sich Simon durchsetzt“, fügt Andreas hinzu. Wie beim ARION, der ein bisschen zu groß ist für den Hof. Dem Sohn aber war wichtig: „Eine große Maschine ist nachhaltiger, jetzt können wir lockern, säen, mulchen, spritzen“, sagt Simon stolz.