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Fixes Essen an der Linie

Als Erstes werden die Brötchen vorbereitet: 500 Stück kommen auf den Verkaufswagen, der die Mitarbeiter in der Produktionshalle des CLAAS Stammwerks in Harsewinkel versorgt. Sandra Pollmeyer belegt sie am frühen Morgen zusammen mit ihrer Kollegin Astrid Bottler und trägt sie in einer Wanne zum Wagen, wo sie je nach Belag ihren Platz in der Auslage haben. Alle Speisen, die auf den Verkaufswagen kommen, werden schon am Morgen produziert. Die Zutaten werden dafür frisch geliefert. Das schätzen die Mitarbeiter, die an den Stationen, an denen der Wagen anhält, oft schon Schlange stehen. „Es ist schön, so früh am Morgen Menschen schon glücklich zu machen“, so Pollmeyer.

Knapp 30 Jahre Tradition

Seit 1996 steht der Verkaufswagen in der Haupthalle in Harsewinkel. Von seinem Parkplatz am Wareneingang fährt das Fahrzeug nach der Bestückung durchs Werk und erreicht die Produktionsmitarbeiter, die weitere Wege zur Kantine haben. Da die meisten Werksarbeiter nur fünfzehn Minuten Pause machen, ist für sie die Zeit zu knapp, um in der Kantine essen zu können. Dafür versorgt der Wagen die Arbeiter vor Ort mit Frühstück und Mittagessen, wie ein werkseigener Food Truck.

 

Seit 2024 leitet Sandra Pollmeyer den Verkaufswagen. Astrid Bottler ist seit 2009 auf dem Wagen, Anne Fögeling seit Beginn an dabei. Morgens stehen die Verkäuferinnen zu zweit im Wagen, mittags sind sie allein unterwegs. Um 7.30 Uhr beginnt die Frühstückstour, danach wird der Wagen neu bestückt. Um 11.15 geht es weiter. 1,5 Stunden dauert eine Tour, bei der die Verkäuferinnen sieben Stationen abfahren und 2,5 Kilometer zurücklegen. Zwischen 6 und 12 Minuten stehen sie an jeder Station. In dieser Zeit geben sie neben den belegten Brötchen auch Bratwurst, Ochsenschwanzsuppe, Gebäckteile, Stullen, Bockwurst, Kakao und Milch heraus. Dazu ein warmes Gericht, einen Eintopf, Dessert und Salate.

Der Mitarbeiter im Mittelpunkt

Die Idee für den Verkaufswagen ging aus der Zusammenarbeit mit apetito catering und CLAAS hervor, so Betriebsstättenleiter bei apetito catering in Harsewinkel, Carsten Brand. Seit 30 Jahren arbeiten die beiden familiengeführten Unternehmen zusammen. Damals hat man gemeinsam überlegt, was sich für die Mitarbeiter in der Produktion in Sachen Verpflegung umsetzen ließ. „Generell wird bei CLAAS sehr viel für die Bewirtung der Mitarbeiter getan und dazu gehört inzwischen der Verkaufswagen. Bei einem Familienunternehmen wie CLAAS wird viel über die Versorgung der Mitarbeiter nachgedacht.“

 

Anne Fögeling ist seit über 50 Jahren im Betrieb und kann sich noch daran erinnern, wie man in den 70er-Jahren die Mitarbeiter mit Trecker und Anhänger versorgt hat. Was hat sich alles verändert, seit sie mit dem Verkaufswagen unterwegs ist? „Es wird wesentlich mehr verkauft als am Anfang“, sagt Fögeling. Damals stand der Wagen an zwei, drei Stellen und in der Ausgabe stand man allein, weil nicht so viel zu tun war.“ Und was ist in den Jahren geblieben? „Auf alle Fälle die Ochsenschwanzsuppe, die gibt es seit 25 Jahren. Die darf auch niemals ausgetauscht werden. Das haben wir versucht, aber das wollten die Kunden nicht.“

Wünschen erlaubt

Seit der neue Wagen vor fünf Jahren mit einem Grill ausgestattet wurde – vorher gab es nur eine Grillpfanne – ist auch der Verkauf von Bratwürstchen enorm gestiegen, so Astrid Bottler. Besonders beliebt sind bei den Mitarbeitern nach wie vor die Mett- und Käsebrötchen. Auch Sonderwünsche versuchen die Verkäuferinnen zu erfüllen. „Wenn sich jemand auch mal Quark mit Mandarine wünscht, dann machen wir das auch. Oder wenn jemand einen frischen Salat möchte, dann bereiten wir diesen zu.“ 

 

Hand in Hand

Bei der Ausgabe im Wagen ist jeder Handgriff koordiniert. Jeder Schritt wie bei einer Choreografie eingespielt. So steht eine Person rechts und bedient die Kasse, füllt die Suppe ab oder macht die Bratwürstchen im Brötchen fertig. Auf der linken Seite steht diejenige, die alles in Tüten packt. Alles ist dazu genaustens sortiert, denn man kann im Wagen nicht hintereinanderlaufen, dafür ist es zu eng, so Bottler. „Wir sind immer so gut vorbereitet, dass alles schnell eingepackt oder aufgefüllt werden kann.“ 

Doch nicht nur innerhalb des Wagens hält man sich an gewisse Abläufe. Auch die Mitarbeiter, so Carsten Brand, kennen den Zeitplan des Wagens genau. Pausenzeiten und Fahrtzeiten des Fahrzeugs sind aufeinander abgestimmt. Einige warten schon auf den Wagen oder kommen, wenn einmal gehupt wird. Die größte Herausforderung für die Verkäuferinnen bleibt die Zeit, gerade wenn viele Mitarbeiter anstehen. Es muss dann alles schnell gehen und dennoch kann es passieren, dass der Wagen an der nächsten Station 3 Min. später da ist. Die Zeit müsse man versuchen wieder reinzuholen, so Astrid Bottler, da die Produktionsarbeiter eben nur diese eine Viertelstunde Pause haben. 

Auf den Wagen ist Verlass

Zu den weiteren Herausforderungen auf dem Wagen gehört manchmal die Lautstärke in der Halle. Auch kann nicht alles vorbereitet werden: Als der Wagen einmal nicht gefahren ist, hat man alles, was man mitkriegen konnte, in einen Caddy samt Kasse gepackt. Dennoch hatte man 500 Brötchen dabei. In den dreißig Jahren, seit der Verkaufswagen im Werk unterwegs ist, gab es auch nur zwei leichte Unfälle. Einmal einen leichten Zusammenstoß mit einem Gabelstapler. Und vor zwei Jahren mit einem Mähdrescher. 

 

Das Schönste an ihrer Arbeit bleibt für alle drei der Kundenkontakt: „Wenn die Kunden kleine Erlebnisse mit einem teilen, zum Beispiel, dass sie Papa geworden sind“, so Fögeling. Einige Mitarbeiter verabschieden sich von den Verkäuferinnen, wenn sie in den Ruhestand gehen. Generell sind viele dankbar. „Als ich einem Kunden sagte, dass ich bald aufhöre, sagte ein Mitarbeiter, ,da geht mir ein Stück Heimat verloren’.“

Inzwischen kennen die Verkäuferinnen die Wünsche vieler Mitarbeiter. „Man ist ein bisschen wie eine Familie. Man ist mit den Mitarbeitern hier gewachsen“, so Sandra Pollmeyer. Neben den vertrauten Gesichtern vieler langjähriger Mitarbeiter ist auch am Angebot des Verkaufswagens vieles über die Jahre gleichgeblieben. So wird nach wie vor nur mit regionalen Produkten gearbeitet. Die Brötchen werden vom Bäcker geliefert, und der Aufschnitt stammt vom Fleischer. „Das Essen muss authentisch sein und ein gutes Produkt sein. Das passt zum Unternehmen“, so Carsten Brand. Die Speisen dürfen gern rustikal sein: „So, wie man früher die Arbeiter auf den Feldern bewirtet hat, machen wir das auch, nur in der Halle.“