Kurzstroh absorbiert Blattfeuchte
Die Mischung der Rübenblattsilage mit gehäckseltem Kurzstroh erfüllt laut Landwirt Varnholt zwei Funktionen zugleich: Im Vergleich zu ungehäckseltem Stroh absorbiert das Kurzstroh dank seiner feinen Zerkleinerung und größeren Oberfläche einen großen Teil der Blattfeuchte und verhindert so das Auseinanderschwimmen der Miete. Zum anderen zersetzt die Säure des Rübenlaubs das Stroh, sodass es für den Gärprozess in der Biogasanlage aufgespalten wird, was der Energieausbeute zugutekommt. Dazu machte er die Beobachtung, dass nach der Einlagerung tatsächlich kaum Sickersaft verloren ging, obwohl die Silomiete sichtbar zusammensackte. „Unser Ziel, möglichst viel Flüssigkeit aus den Rübenblättern durch das Kurzstroh absorbieren zu lassen, haben wir weitgehend erreicht“, lautet das Fazit von Henning Varnholt.
Nach der Einlagerung, die Ende Oktober erfolgte, verblieb das Material über drei Wochen unberührt im Silo. Anschließend wurden täglich mindestens vier Tonnen entnommen und als Teilration an die Biogasanlage verfüttert. Probleme mit Schwimmschichten in den Biogasbehältern als Folge der Kurzstrohverwendung gab es nicht.
Kosten in Höhe von 10 Euro/Tonne
Die Energieausbeute des neuen Substrats zu bestimmen, ist schwierig, weil die Biogasanlage mit verschiedenen Substraten und vor allem dem schlecht kalkulierbaren Mist gefüttert wird. „Laut Tabellenangaben“, so Landwirt Varnholt, „erzeugt die Mischung aus Stroh und Rübenblatt ein Drittel bis die Hälfte der Energiemenge, die aus Maissilage gewonnen wird.“ Um auch einen Kostenvergleich anzustellen, hat er für die Bergung und Lagerung seiner 390 t Rübenblatt-Stroh-Silage Gesamtkosten von rund 4.000 € kalkuliert (Strohpressen, Umrüstungen am Rübenroder, Transport und Einlagerung). Umgerechnet auf 390 t Blattsilage kostet somit eine Tonne des neuen Substrats ca. 10 €. Bei einem Drittel Energiegehalt im Vergleich zu Maissilage ergeben sich daraus Äquivalentkosten von etwa 30 €/t.
Das ist auf jeden Fall günstiger als Silomais, bei dem Henning Varnholt unter Einbeziehung der Silierarbeiten Kosten von rund 40 €/t ansetzt. Das neue Verfahren rechnet sich also. Deshalb meint der Landwirt: „Sofern wir genug Platz auf den Siloplatten haben, werden wir den Versuch bei der nächsten Ernte auf jeden Fall wiederholen und weiter verfeinern.“