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Rübenblatt trifft Kurzstroh: Energiepotenzial maximiert
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Biogasanlagen

Rübenblatt trifft Kurzstroh: Energiepotenzial maximiert

Rübenblatt trifft Kurzstroh: Energiepotenzial maximiert

Die 2009 erbaute Biogasanlage auf dem Hof Varnholt in Bad Sassendorf (Landkreis Soest) wird zu etwa 60 % mit Abfallstoffen, darunter Gülle, Mist und Hühnertrockenkot gefüttert. Ergänzend dazu werden Silomais und Zuckerrüben, optional auch Grassilage eingesetzt. Als weitere Komponente kam dieses Jahr versuchsweise ein Gemisch aus Rübenblattsilage und Kurzstroh hinzu.

 

Hintergrund dieses Versuchs ist Henning Varnholts Philosophie, seine Biogasanlage zu einem möglichst großen Anteil mit Abfallstoffen zu betreiben. Deshalb suchte er schon länger nach einem Weg, wie er auch die bei der Rübenernte anfallenden Rübenblätter und -köpfe, die normalerweise ungenutzt auf dem Feld liegen bleiben, als Biogassubstrat nutzen könnte. Ein erster Anlauf vor etwa 10 Jahren, allein aus den Rübenblättern ein Substrat für die Biogasanlage zu gewinnen, scheiterte, weil das Material einfach zu nass und deshalb nicht stabil genug für eine Blattmiete war. Doch letztes Jahr wagte der 38-jährige Landwirt erneut einen Versuch, der erfolgreich verlief. 
 

Als erste Maßnahme wurden 75 Quaderballen gehäckseltes Kurzstroh gepresst.

Bei der Einlagerung in die Silomiete wurden Kurzstroh und Rübenblatt vermischt.

Die Mischung macht’s
Als erste Maßnahme wurden während der Weizenernte 75 rund 320 kg schwere Quaderballen gehäckseltes Kurzstroh gepresst. Dafür kam eine CLAAS QUADRANT mit SPECIAL CUT Vorbauhäcksler zum Einsatz. Als nächstes rüstete sein Lohnunternehmer bei der Rübenernte einen selbstfahrenden Rübenroder so um, dass Rübenlaub und -köpfe separat geerntet und per Förderband auf nebenherfahrende Kipper überladen werden konnten. Auf diese Weise wurden von 20 ha Rübenfläche rund 390 Tonnen Biomasse für die Biogasanlage geerntet.

 

Um das Material vom Rübenroder zu übernehmen und über eine Entfernung von knapp drei Kilometern zur Biogasanlage zu transportieren, kamen zwei Wannenkipper-Gespanne zum Einsatz. Nach Ankunft auf dem Hof wurde das Material verwogen und anschließend mit einem Teleskoplader in einem Fahrsilo eingelagert. „Als Grundlage haben wir nun zunächst eine extra dicke Lage Kurzstroh auf der Silofläche verteilt. Darüber haben wir dann abwechselnd Rübenblatt und Kurzstroh möglichst sorgfältig übereinandergeschichtet“, erklärt der Landwirt das Vorgehen beim Bau der Silomiete.

 

Für die möglichst gleichmäßige Verteilung des Kurzstrohs auf der Miete wurden für jede Schicht sechs bis acht Strohbunde nebeneinander und hochkant am Rand des Silos aufgestellt. So konnte das nach dem Durchschneiden der Bindfäden lose Stroh mithilfe einer Teleskopladerschaufel auf dem Silohaufen verteilt werden. Dazu merkt Henning Varnholt an: „Beim nächsten Mal müssen wir die Verteilung besser mit einem Silobreitverteiler machen, wie er auch auf Grassilagehaufen zum Einsatz kommt.“

Mindestens vier Tonnen/Tag wurden als Teilration an die Biogasanlage verfüttert.

Kurzstroh absorbiert Blattfeuchte
Die Mischung der Rübenblattsilage mit gehäckseltem Kurzstroh erfüllt laut Landwirt Varnholt zwei Funktionen zugleich: Im Vergleich zu ungehäckseltem Stroh absorbiert das Kurzstroh dank seiner feinen Zerkleinerung und größeren Oberfläche einen großen Teil der Blattfeuchte und verhindert so das Auseinanderschwimmen der Miete. Zum anderen zersetzt die Säure des Rübenlaubs das Stroh, sodass es für den Gärprozess in der Biogasanlage aufgespalten wird, was der Energieausbeute zugutekommt. Dazu machte er die Beobachtung, dass nach der Einlagerung tatsächlich kaum Sickersaft verloren ging, obwohl die Silomiete sichtbar zusammensackte. „Unser Ziel, möglichst viel Flüssigkeit aus den Rübenblättern durch das Kurzstroh absorbieren zu lassen, haben wir weitgehend erreicht“, lautet das Fazit von Henning Varnholt.

 

Nach der Einlagerung, die Ende Oktober erfolgte, verblieb das Material über drei Wochen unberührt im Silo. Anschließend wurden täglich mindestens vier Tonnen entnommen und als Teilration an die Biogasanlage verfüttert. Probleme mit Schwimmschichten in den Biogasbehältern als Folge der Kurzstrohverwendung gab es nicht. 
 

Kosten in Höhe von 10 Euro/Tonne
Die Energieausbeute des neuen Substrats zu bestimmen, ist schwierig, weil die Biogasanlage mit verschiedenen Substraten und vor allem dem schlecht kalkulierbaren Mist gefüttert wird. „Laut Tabellenangaben“, so Landwirt Varnholt, „erzeugt die Mischung aus Stroh und Rübenblatt ein Drittel bis die Hälfte der Energiemenge, die aus Maissilage gewonnen wird.“ Um auch einen Kostenvergleich anzustellen, hat er für die Bergung und Lagerung seiner 390 t Rübenblatt-Stroh-Silage Gesamtkosten von rund 4.000 € kalkuliert (Strohpressen, Umrüstungen am Rübenroder, Transport und Einlagerung). Umgerechnet auf 390 t Blattsilage kostet somit eine Tonne des neuen Substrats ca. 10 €. Bei einem Drittel Energiegehalt im Vergleich zu Maissilage ergeben sich daraus Äquivalentkosten von etwa 30 €/t.

 

Das ist auf jeden Fall günstiger als Silomais, bei dem Henning Varnholt unter Einbeziehung der Silierarbeiten Kosten von rund 40 €/t ansetzt. Das neue Verfahren rechnet sich also. Deshalb meint der Landwirt: „Sofern wir genug Platz auf den Siloplatten haben, werden wir den Versuch bei der nächsten Ernte auf jeden Fall wiederholen und weiter verfeinern.“