Wann setzte die Maschinisierung in der Halmfutterernte ein?
Die Maschinisierung der Halmfutterernte beginnt mit der Entwicklung einer praxistauglichen Mähmaschine durch Walter A. Wood. Seine 1859 in Nordamerika vorgestellte Maschine verfügte über ein ungewöhnlich scharfes Messerschneidwerk. Vom Laufrad der Gepsann gezogenen Maschine angetrieben, war es in der Lage, die nur geringen Widerstand bietenden Grashalme sauber zu durchtrennen. Grasmäher sind somit einige Jahrzehnte jünger als Erntemaschinen für Getreide.
Was waren wichtige Entwicklungsschritte hin zur modernen Halmfutterernte? Welche Erntetechniken haben sich neu etabliert, welche konnten sich nicht durchsetzen?
Mit dem Erfolg der Traktoren kam die hohe Zeit der Anbaumähwerke. Der Zapfwellenantrieb machte es möglich und garantierte hohe Schlagkraft. Anfangs handelte es sich vorwiegend um seitlich angebaute Messerbalken, doch dann folgten heckwärts befestigte Trommel- und Scheibenmähwerke. Selbstfahrende Grasmäher gab es auch, doch sie blieben in der Minderzahl. Eine Zäsur bedeutete 1960 das Aufkommen des Ladewagens. Mit ihm konnten die Arbeitsgänge des Mähens und Transportierens in einem Fahrzeug kombiniert werden. Als Einmannmaschine erfreute sich der Ladewagen vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben großer Wertschätzung. Inzwischen ist der Feldhäcksler zur bestimmenden Maschine der Halmfutterernte geworden. In Gras und Mais gleichermaßen gut einsetzbar, überzeugt er durch sauberen Schnitt und hohe Flächenleistung. Feldhäcksler haben die Halmfutterernte zu einem interessanten Geschäft für die überbetrieblich arbeitende Landwirtschaft gemacht. Aber nicht alle Visionen der Halmfutterernte waren wirtschaftlich realisierbar. Mobile Halmfuttertrockner wie Apollo und Grasant beflügelten zwar die Phantasie der Wissenschaft, doch Geld verdient werden konnte mit ihnen nicht.
Was glauben Sie persönlich, wo weitere Entwicklungspotenziale für die Halmfutterernte in der Zukunft liegen?
In der Professionalisierung der Halmfutterernte liegen große Chancen. Leistungsstarke und im Verbund arbeitende Maschinen können die mit extremen Wetterlagen verbundenen Risiken mindern. An Bedeutung zunehmen wird auch die Präzision der Halmfutterernte. In den Erntemaschinen installierte optische Erkennungs- und Erfassungssysteme werden in nicht mehr allzu ferner Zukunft dafür sorgen, dass der Slogan “Auf jeden Halm kommt es an” Wirklichkeit werden wird. Bleibt die Betriebssicherheit der Maschinen: Mit den bislang entwickelten Fremdkörpererkennungssystemen ist man auf einem guten Weg, doch von der Perfektion ist man noch ein Stück weit entfernt.





