Skip to main content
Spezialanwendung ARION 630
Landmaschinen
Digitale Lösungen
Service & Parts
Erleben
Karriere
Presse
Über CLAAS
Spezialanwendung ARION 630

"ALLES, was transportiert wird, landet hier."

Ganz genaugenommen ist es die thyssenkrupp MillServices & Systems GmbH, eine Stahlwerksdienstleistungsgesellschaft, die die beiden CLAAS Schlepper vor knapp zwei Jahren für diesen speziellen Einsatzort ausgewählt hat. Und noch genauer waren es Roland Borlinghaus, Leiter des Servicecenters, und Stephan Kremers, Stützpunktleiter, die Ende 2021 nach einer Alternative zu zwei Bestandsmaschinen gesucht haben, die auf dem Werksgelände ihre Dienste tun. „Wir hatten damals Philipp von Hoven als Werksbeauftragten für Traktoren bei CLAAS angesprochen und zu einem Ortstermin eingeladen, auf dem wir ihm an den Bestandsfahrzeugen gezeigt haben, was ein Schlepper in einem Stahlwerk leisten muss. Vereinfacht gesagt stand die Frage im Raum: Könnt Ihr so etwas auch?“, bringt Stephan Kremers die erste Kontaktaufnahme auf den Punkt. 

 

„So etwas“ – das heißt: Einen Traktor mit Spezialspezifikation in Bezug auf die Ballastierung, das große Zugmaul, die Bereifung und schlussendlich die Farbe – sämtliche Maschinen im Stahlwerk sind in einer einheitlichen RAL-Gelb-Hausfarbe lackiert – zu konzipieren.

„Die größte Herausforderung war sicherlich der Anspruch, die Maschine als Zugmaschine, die alle Kraft auf den Boden bringt, umzubauen."

Philipp von Hoven

Werksbeauftragter Traktoren

 "Denn immerhin sollen die Schlepper Anhänger mit einem Gesamtgewicht von bis zu 200 t ziehen“, nennt er eine der Überlegungen, die vor allem das Werkstattteam bei TCA in Alpen anstellen musste. Der Vertriebspartner im Ruhrgebiet sollte die Sonderumbauten realisieren.

 

Geschwindigkeit runter, Zuglast rauf

Im Vorfeld haben Kremers, Borlinghaus und ihr Team den Arion 600 ausprobiert. „CLAAS hat Schlepper in Leistungsklassen bis 400 PS; wir sind aber schnell bei der 140- bis 160-PS-Klasse und damit beim Arion 630 gelandet, den wir in der Version mit sechs Zylindern getestet haben“, erläutern die beiden. Der Sechs-Zylinder-Schlepper habe einen längeren Radstand als zum Beispiel der Vier-Zylinder-Schlepper, der ebenfalls in die Überlegungen einbezogen worden war, was wiederum für das Sonderprojekt der Ballastierung vorteilhaft gewesen sei. „Der Schlepper wurde ohne Frontgewicht an TCA geliefert, TCA hat dann das Sondergewicht angeschraubt, sodass das Gewicht der Maschine inklusive der Ballastgewichte bei 12 t liegt und der Arion der Herausforderung, einen 200 t schweren Anhänger anzuziehen und auch wieder abzubremsen, standhalten kann.“

Ein Stahlblock wurde als Sondergewicht unter dem Schlepper verschraubt. 

Ersatzteile aus Stahlbeton, Schrott, Ofentüren, Motoren, Stahlrollen – die Lasten, die der Arion 630 hinter sich herzieht, wiegen zwischen 20 und 200 t. 

Darüber hinaus wurden der Heckkraftheber sowie die Fronthydraulik demontiert und der Hydraulikblock abgebaut, damit für den Fahrer ein freier Blick auf Zugmaul und Deichsel gewährleistet ist. „Seitlich am Schlepper ist zusätzlich ein Staukasten angebracht, in dem die Fahrer Ketten und Zurrgurte verstauen können, wenn sie nicht benötigt werden“, ergänzt von Hoven die Änderungen am Traktor. 

 

Die Geschwindigkeit des Arion 630 ist auf 30 km/h heruntergedrosselt. Schneller sind die Schlepper ohnehin nie unterwegs, in der Regel ziehen sie die Tonnagen mit 6 km/h von Ort zu Ort. „Tempo 30 gilt übrigens für alle Fahrzeuge, die hier auf dem Werksgelände arbeiten und fahren“, meint Stephan 
Kremers. Bei der Bereifung sei die Wahl wegen des hohen Straßenanteils und der besseren Übertragung der Kräfte auf die Straße auf Kommunalreifen gefallen. 

 

Schlacken, Schrott und Ofentüren

So modifiziert sind die beiden Arion 630, für die sich Roland Borlinghaus und Stephan Kremers entschieden haben, nun seit Januar 2023 auf dem Stahlwerksgelände unterwegs. „Unser Hauptgewerk liegt beim Warentransport, für den wir ganz kleine bis sehr große Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Für den Transport von Stoffen wie Erze, Schlacken, Sande, Kohle, Koks und Schrott benötigen wir die Zugmaschinen mit großer Nutzlast. Alles, was transportiert wird, landet hier bei uns“, fasst Stephan Kremers das zusammen, was die Maschinen bei HKM im vollkontinuierlichen Schichtsystem leisten müssen.

Das gilt übrigens auch für die Fahrer: 25 Mitarbeiter bilden die Stammmannschaft, die über alle Schichten hinweg regelmäßig auf dem Bock sitzt. „Acht Stunden sitzen die Fahrer in der Kabine. Da muss der Komfort absolut stimmen!“, betont Roland Borlinghaus. Und Philipp von Hoven garantiert, dass zum Beispiel beim Fahrersitz keine Kompromisse eingegangen worden sind und das beste zurzeit auf dem Markt befindliche Modell verbaut sei. Eine Ablage fürs Mobiltelefon sowie ein Radio seien selbstverständlich. „Außerdem ist eine Fernentriegelung der Anhängerbolzen über Luftdruck möglich, sodass das kräfteraubende Lösen des Bolzens für die Fahrer entfällt“, ergänzt er ein weiteres Plus an Arbeitskomfort. 

Ein größeres Zugmaul war eine der Spezifikationen, die an dem Schlepper vorgenommen werden mussten.

Fachmänner unter sich (v.l.n.r.): Stützpunktleiter Stephan Kremers, Osman Bulut vom Fahrer-Team, Roland Borlinghaus, Leiter Servicecenter und Philipp von Hoven, Werksbeauftragter Traktoren. 

30.000 Stunden im Visier

Da die CLAAS Schlepper anders als in der Landwirtschaft nicht abhängig vom Sonnenstand sind, was ihren Arbeitseinsatz betrifft, sondern rund um die Uhr laufen und niemals kalt werden, wie Stephan Kremers lachend betont, rechnen er und Roland Borlinghaus mit einer Lebensarbeitszeit von 30.000 Stunden in zehn Jahren. „Erfahrungsgemäß laufen die Traktoren im Durchschnitt bei uns 3.000 Stunden pro Jahr. Das Ziel von 30.000 Arbeitsstunden ist also gar nicht so abwegig, da die Traktoren ja eigentlich „nur“ große Lasten auf rund 6 km/h beschleunigen und das dann konstant halten müssen. Die Herausforderung sind das Anfahren mit großen Lasten und das Abbremsen der Hänger“, erklärt der Stützpunktleiter. 

 

Bisher sind er und Roland Borlinghaus zufrieden mit den beiden Arion 630 – auch wenn das HKM-Gelb schon von einer dicken grauen Staubschicht überzogen ist und man den Schleppern nicht mehr ansieht, dass sie erst wenige Kilometer in dem Stahlwerk im Duisburger Süden abgeleistet haben. Kleinere Unstimmigkeiten oder Verbesserungsvorschläge, die die Fahrer an sie herantragen, würden schnell und unkompliziert umgesetzt. Das bestätigt auch Philipp von Hoven: „Wir stehen in ständigem Austausch mit dem Team und vor allem dem Vertriebspartner TCA und freuen uns über regelmäßiges Fahrerfeedback, um Wünsche möglichst zeitnah bei TCA umsetzen zu können.“ CLAAS bewährt sich also auch in für Ackerschlepper untypischem Gelände.