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Morgens Müsli, abends Party

Morgens Müsli, abends Party

Wer den Betrieb der Familie Pellengahr-Gröblinghoff im westfälischen Oelde zum ersten Mal besucht, fühlt sich fast wie in einer Filmoder Märchenkulisse. Nach einer Fahrt durch das malerische Naturschutzgebiet Geisterholz und eine verwunschene Kastanienallee taucht unvermittelt das Haus Geist auf, die Hofstelle der Familie. 

 

Das Wohnhaus ist ein ehemaliges Wasserschloss samt Burggraben, Teichen und einer Steinbrücke mit opulenter Toreinfahrt zum Innenhof. Direkt daneben umrahmen eine alte Getreidescheune aus Backstein, eine Gewölbescheune und ein ehemaliges Speicherhaus im Lippe- Renaissance-Stil den Innenhof. 

 

„Ja, wir haben es ganz schön hier“, sagt Julius Pellengahr bescheiden. Er hat den Betrieb mit nur 29 Jahren übernommen und bewirtschaftet hier gemeinsam mit seinen Eltern und einem Festangestellten 130 ha Ackerland. Angebaut werden Raps und Getreide.

Neue Wege geht der Betrieb mit seiner Veranstaltungsscheune, die sehr gut angenommen wird.

Das alte Speicherhaus wird seit 2024 für Veranstaltungen vermietet.

Feiern auf dem Hof

 

Doch der Fokus von Julius Pellengahr lag von Anfang an auf dem besonderen Charme der historischen Gebäude. „Mir war es wichtig, den Betrieb in dieser Form zu erhalten und gleichzeitig weiterzuentwickeln“, sagt Pellengahr. Wie das trotz hoher Kosten für die Bauunterhaltung funktionieren könnte, wurde ihm bei einem Tag der off enen Tür bewusst, als fast 3.000 Besucher kamen. „Da haben uns die Leute wirklich die Bude eingerannt“, erzählt Pellengahr. 

 

Den Hof als stimmungsvolle Kulisse für Veranstaltungen vermieten – das war seine Idee. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigte sich bei der ersten Hochzeitsfeier knapp ein Jahr später. Obwohl er nicht viel mehr als eine ausgefegte Scheune anbieten konnte, war die Feier ein großer Erfolg und die Gäste schwärmten noch lange von der tollen Atmosphäre der Räume. 

 

Im darauffolgenden Jahr 2025 drehte sich die Spirale dann laut Pellengahr immer schneller. Mehr als 20 Veranstaltungen wurden in der Gewölbescheune gebucht. Neben Hochzeiten kamen auch diverse Geburtstage und Firmenveranstaltungen wie Tagungen und Weihnachtsfeiern dazu. Dieser positive Trend setzte sich auch im laufenden Jahr fort und selbst für 2027 gibt es schon reichlich Anfragen. „Der Kalender füllt sich erstaunlich schnell, obwohl ich keine aktive Werbung mache“, freut sich Pellengahr. 

 

Der Betrieb stellt nur die Gebäude mit einer pauschalen Raummiete zur Verfügung. Den Caterer können die Gäste frei auswählen. Bei der Organisation größerer Veranstaltungen unterstützt ihn ein lokaler Dienstleister, der anfangs auch Stühle, Tische und Zelte zur Verfügung stellte. Doch mit dem wachsenden Erfolg ist Julius Pellengahr dazu übergegangen, selbst in das notwendige Mobiliar zu investieren. Auch die Raumgestaltung und Beleuchtung hat er nach und nach professionalisiert, genauso wie den mobilen Toilettenwagen. 

Pferde sind schon immer die Leidenschaft der Familie gewesen.

Das Getreide für das Pferdemüsli stammt zum größten Teil aus eigenem Anbau.

Müsli fürs Pferd

 

Das zweite Standbein des Betriebs hat dagegen eine längere Tradition. Schon seit 25 Jahren verkauft die Familie Pferdefutter, das die Kunden als „Pferdemüsli“ kennen. Das Rezept hat Julius’ Vater auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und an eigenen Sport- und Zuchtpferden erprobt. Die Grundlage bilden Gerste und Hafer, die komplett aus dem eigenen Anbau stammen. Dazu kommen Kräuter, Maisflocken, Mineralien und Pflanzenöl. Die genaue Zusammenstellung ist natürlich Betriebsgeheimnis. 

 

„Damit haben wir ein sehr stabiles Standbein, das uns unabhängig von den Marktpreisen für Getreide macht“, sagt Pellengahr. Etwa 70 % der Ackerfläche werden als Basis für die Herstellung des Pferdemüslis genutzt.

 

Das Mischen und Abpacken des Futters erledigt der Betrieb selbst mit einer eigenen Getreidequetsche und Abfüllstation. „Es ist für uns sehr wichtig, dass wir vom Anbau über die Ernte bis zur Herstellung alles selbst in der Hand haben. Denn Qualität ist bei Pferdefutter das A und O“, erklärt der Betriebsleiter. Dass die Hauptkomponenten Gerste und Hafer im Futter aus eigenem Anbau stammen, sehen die Kunden ebenfalls als Ausweis einer besonderen Qualität. 

 

Die Vermarktung wurde über die Jahre immer weiter ausgebaut, findet aber nach wie vor regional im Umkreis von 50 km statt. Das Pferdemüsli wird in 20-kg-Säcken oder Big-Packs mit 500 kg verkauft und ist ab Hof oder bei Raiffeisenmärkten der Umgebung erhältlich. 

Das Pferdemüsli ist für den Betrieb von Julius Pellengahr ein wichtiges Standbein.

Das ehemalige Wasserschloss liegt im westfälischen Oelde.

Jung übernimmt  

 

Julius Pellengahrs Herz schlägt aber vor allem für die Organisation der Veranstaltungen auf dem Betrieb. Deshalb kümmert er sich überwiegend um diesen Bereich, während sein Vater alle Aufgaben rund ums Pferdemüsli managt. 

 

Das entlastet ihn auch in seiner noch etwas ungewohnten Rolle des Betriebsleiters. „Es ist schon krass, wie viele große und kleine Entscheidungen man als Verantwortlicher jeden Tag treffen muss. Da ist man abends manchmal ganz schön kaputt“, meint Pellengahr. 

 

Dennoch ist er sehr froh, dass er sich nach seinem Studium für die Betriebsübernahme und gegen einen Job im Büro entschieden hat: „Hier kann ich Dinge anstoßen, die für mich absolut sinnstiftend sind. Und anders als ich es bei meinen Praktika in der Industrie erlebt habe, sind die Entscheidungswege bei uns sehr kurz. Das macht einfach viel Spaß, auch wenn die Arbeitstage länger sind.“