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Über CLAAS

Know-how aus Paderborn

Gummibänder

„Gummilaufbänder sind sehr komplex.“

Andre Riemer

Herr Riemer, ein Gummilaufband für einen raupenbetriebenen Traktor oder Mähdrescher sieht auf den ersten Blick relativ einfach aus. Warum hat CLAAS dafür einen eigenen Entwicklungsbereich aufgebaut?

 

"Anders, als es auf den ersten Blick scheint, sind Gummilaufbänder in dieser Größe sehr komplex. Schließlich werden sie extremen Belastungen ausgesetzt. Sie müssen flexibel sein und gleichzeitig einer Bandspannung von bis zu 10 Tonnen über die gesamte Lebensdauer sicher standhalten können. Zudem wirken enorme Zugkräfte beim Antrieb großer Traktoren, etwa bei der Bodenbearbeitung. Zusätzlich gibt es große Unterschiede bezüglich der Anforderungen. Die Bänder müssen bei schweren Zugarbeiten im Feld genauso gut funktionieren wie bei Straßenfahrten mit bis zu 40 km/h, bei denen nur die Stollen Bodenkontakt haben. Und nicht zuletzt ist eine hohe Widerstandsfähigkeit gefragt, damit spitze Steine und ähnliches nicht zu Schäden führen. Weltweit gibt es nur wenige Lieferanten, die Laufbänder gemäß dieser Anforderungen fertigen können."

 

 

Wie gelingt es Ihnen, die Laufbänder davor zu schützen?

"Ein wichtiger Faktor ist die Wahl der richtigen Gummimischung, die möglichst verschleißfest und hitzestabil sein sollte. Darüber hinaus können die Wärmeentwicklung und der Verschleiß über die Geometrie der Stollen beeinflusst werden. Zusätzlich hilft es, Bauteile wie Umlenk-, Antriebs- und Stützräder, die sich im direkten Kontakt zum Laufband befinden, möglichst kühl zu halten. Das lösen wir zum Beispiel über ein offenes Speichenraddesign, das eine große Oberfläche hat und Wärme zügig abgeben kann. Als Material für die kleineren Stützräder nutzen wir ganz bewusst Aluminium, weil es die entstehende Wärme schnell an die Umgebung abgibt."

 

Wie testen Sie weiterentwickelte Laufbänder, um sicherzustellen, dass sie im Praxiseinsatz lange halten?

"Wir setzen die Laufbänder in Dauerlaufmaschinen für Feldversuche ein und nutzen stillgelegte Flughäfen, wo wir die Laufbänder auf unseren Testfahrzeugen über längere Distanz ununterbrochen laufen lassen. Während die Tests auf den Dauerlaufmaschinen sehr kundennah und anwendungsorientiert erfolgen, zielt der Flugplatztest insbesondere darauf ab, die Straßentauglichkeit eines Laufbandes zu prüfen."

 

Wie ist ein TERRA TRAC Gummilaufband aufgebaut, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?

"Ein Gummilaufband besteht im Wesentlichen aus einer Karkasse mit äußeren Stollen und Führungsblöcken innen. Die Karkasse ist mit Drahtseilen durchsetzt, die in einen Gummimantel eingebettet sind. Die Drahtseile nehmen die Zugkräfte auf. Sie haben einen Durchmesser von vier bis fünf Millimetern und sind endlos spiralförmig am Stück gewickelt, um eine optimale Kraftaufnahme zu gewährleisten. Wichtig ist, dass die innen liegenden Drahtseile geschützt bleiben und keine Feuchtigkeit eintritt. Sonst droht Korrosion und damit eine Schwächung dieser stark belasteten Elemente. Deshalb gibt es eine schützende Gewebelage in Form von knapp ein Millimeter starken Stahldrähten, die mattenförmig über und unter den Drahtseilen angeordnet sind."

 

Sind die äußeren Stollen auch mit Drähten verstärkt?

"Nein. Die Stollen bestehen durchgehend aus Gummi und werden mittels Vulkanisation – also über einen chemischen Prozess – an der Karkasse befestigt. Dadurch bleiben die Stollen flexibel und können gleichzeitig hohe Zugkräfte übertragen. Je nach Einsatzbereich des Laufbandes können unterschiedliche Gummimischungen im Stollen eingesetzt werden."

 

Möglichst lange Standzeiten, also eine maximale Lebensdauer der Gummilaufbänder, sind ein wichtiges Entwicklungsziel für Sie. Was verkürzt die Lebensdauer von Laufbändern besonders?

"Die größte Herausforderung sind hohe Temperaturen. Je nach Gummimischung kann es ab etwa 150 °C zum Aufweichen des Materials kommen. Das größte Risiko dafür besteht vor allem bei Straßenfahrten mit maximaler Geschwindigkeit und hohem Fahrzeuggewicht. Insbesondere die Stollen werden dabei sehr stark beansprucht. Der wiederkehrend auftretende Druck und das Umbiegen des Gummilaufbandes um die Umlenkräder führen zu einer starken Wärmeentwicklung im Inneren der Stollen. Dabei kann der Kern aufweichen und der Stollen im Extremfall platzen. Hohe Außentemperaturen verstärken diesen Effekt."

 

Gummilaufbänder müssen flexibel sein und gleichzeitig einer Bandspannung von bis zu 10 Tonnen über die gesamte Lebensdauer sicher standhalten können.

Sie sprachen über die Problematik, dass die Bänder durch spitze Steine und ähnliches beschädigt werden können. Welche technischen Lösungen haben Sie, um Schäden durch hohe Druckspitzen zu vermeiden?

"In den TERRA TRAC Laufwerken sind alle Räder, also die größeren Antriebs- bzw. Umlenkräder und die kleineren Stützräder einzeln beweglich aufgehängt. Das ermöglicht nicht nur einen besonderen Fahrkomfort, sondern senkt auch das Risiko, dass spitze Gegenstände tiefer in die Laufbänder eindringen. Zusätzlichen Schutz bieten außerdem eine verstärkte Gummischicht, spezielle Gummimischungen und über die bereits erwähnten mattenförmigen Stahldrähte. Dieser Schutz ist übrigens auch auf der Innenseite der Karkasse wichtig, weil Fremdkörper auch hier Schäden anrichten können. Zur Prüfung werden die Gummilaufbänder bei besonders nassen und steinigen Bedingungen auf dem Feld eingesetzt oder im sogenannten Mud-&-Dust-Test auf dem Werksgelände in Paderborn geprüft. Dabei werden die Gummilaufbänder am Fahrzeug bis zu 50 Stunden lang in einem Gemisch aus Wasser, Sand und Steinen getestet."

 

Mit welcher Lebensdauer können Kunden bei den aktuellen TERRA TRAC Laufbändern rechnen?

"Die Lebensdauer eines Gummilaufbands hängt sehr stark davon ab, wie und vor allem wo die Maschine eingesetzt wird. Wie bereits erwähnt, fördert vor allem ein hoher Straßenfahranteil den Verschleiß. Wenn wir von einem Verhältnis von Straßen- zu Feldeinsatz von 30:70 ausgehen, sprechen wir von einer Lebensdauer für ein Standardlaufband von etwa 4.000 Stunden. Für Kunden mit hohem Straßenfahranteil lohnen sich möglicherweise spezielle Gummilaufbänder. Diese verfügen über breitere Stollen aus angepasster Gummimischung, wodurch der Kontaktdruck zwischen Stollen und Untergrund gesenkt und der Abrieb reduziert wird. Der geringere Verschleiß kann die Lebensdauer um bis zu 1.000 Stunden verlängern."

 

Was können Anwender tun, um Laufbänder im Einsatz zu schonen und die Lebensdauer zu erhöhen?

"So weit möglich sollte man Straßenfahrten vermeiden und auf unnötige Ballastierung verzichten, vor allem bei längeren Wegen auf der Straße. Hier kann der Transport auf dem Tieflader die bessere Wahl sein. Wichtig ist zudem, die Bandeinstellung regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf anzupassen. Das Laufband sollte zentriert ausgerichtet laufen, um einen Verschleiß der Führungsblöcke zu minimieren. Unbedingt zu empfehlen ist das Einpulvern der Führungsblöcke mit Talkum vor der Inbetriebnahme. Das Talkum glättet die Oberfläche der Führungsblöcke und verringert dadurch die Reibung und auch den Verschleiß. "

 

Das technologische Know-how entwickelt sich schnell weiter. Was glauben Sie, mit welcher Lebensdauer der Gummilaufbänder können wir in fünf bis zehn Jahren rechnen?

"Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Werkstoff- und Herstellungstechnologien hat die Lebensdauer der Bänder in den letzten zehn Jahren um etwa 15 Prozent verlängert. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Durch neue Auslegungsansätze, Testmöglichkeiten und Simulationstechniken können wir die erreichbare Lebensdauer neuer Gummilaufbänder bereits im frühen Stadium der Entwicklung vorhersagen."