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Über CLAAS

Klasse statt Masse bei der Grassilage

Auf der Fahrt zum Gesprächstermin Mitte April ins Industriegebiet bei Lindlar im Kreis Gummersbach regnet es. Böse Zungen behaupten, das sei das typische (Ober)Bergische Wetter. Da ist wohl was dran, liegen die Jahresdurchschnittswerte im Kreis Gummersbach bei mehr als 1.400 mm Regen. 

 

Andererseits wächst bei guter Wasserversorgung und mäßigen Temperaturen auch das Grünfutter. Und die Wiesen und Mähweiden bei Lindlar, die man im gesamten Kreis Oberberg sowie in großen Teilen des benachbarten Rheinisch-Bergischen Kreises als kulturlandschaftsprägend vorfindet, verraten es: Hier dominiert die Milchviehhaltung. „Milchkühe und Weihnachtsbäume, das können wir hier in Perfektion!“, lacht Patrick Blumberg. Das gilt ebenso für die Erzeugung hochwertiger Mais- und Grassilage. Vor allem bei letzterer machen Gerighausen als Landtechnikberater und Blumberg als Praktiker seit einigen Jahren einen Trend aus: den Einsatz von Feldhäckslern, wenn Qualitätsgrassilage erzeugt werden soll. 

 

Besser früh als spät

Die Entscheidung vieler Milchviehhalter für den Einsatz des Häckslers zeichnet sich dem Eindruck von Lohnunternehmer Blumberg nach seit gut drei/vier Jahren immer deutlicher ab. „2021 gab es wegen der Folgen der Frühjahrs- und Sommertrockenheit Missernten bei der Futterernte – im Übrigen einer der Gründe, warum hier im Bergischen das Dauergrünland überwiegt und der wasserintensive Feldfutterbau zurückgeht. Die Landwirte haben gemerkt, dass sie in der Lage sein müssen, energiereiches Futter zu erzeugen, wenn es quantitativ weniger wird. Das klappt nur bei einem frühen 1. Schnitt. Die landläufige Meinung vieler Kollegen ‚der 10. Mai ist mir früh genug!‘, setzt sich schon länger nicht mehr durch!“, weiß der 49-Jährige aus der Erfahrung der letzten Jahre. Vielmehr liege das Hauptaugenmerk heute auf der Erzeugung hochenergetischer Silagen aus jungem Aufwuchs. 

 

Abgesehen von den sich ändernden klimatischen Bedingungen gebe es auch fütterungsbedingte Gründe für die Entwicklung hin zu früheren Schnittterminen. „Die Fütterungsberatung rät zu früh geschnittenem und kurz gehäckseltem Gras, weil das von der Kuh besser aufgenommen wird und verdaulicher ist. Das liegt auch an der Schmackhaftigkeit: Denn auf etwa 8 bis 14 mm gehäckseltes Gras lässt sich besser verdichten, Fehlgärungen im Silostock werden vermieden – und das tut dem Futter gut“, fasst es Patrick Blumberg treffend zusammen.

 

Fachberater Heinz-Günter Gerighausen bestätigt das gerne. Der erfahrene Landtechniker, der – schon seit einigen Jahren im Ruhestand – unter anderem bei der DLG das Siloprofi-Seminar mitgestaltet, begrüßt es sehr, dass an den Seminaren neben den Praktikern auch Tierärzte und Fütterungsexperten teilnehmen. „Vor allem die Tierärzte erkennen, welche Probleme Fütterungsfehler bei der Tiergesundheit und der Fruchtbarkeit bringen können. Ihre Expertise ist also eine hervorragende Ergänzung zu der ansonsten rein technischen Auseinandersetzung mit der Silage-Erzeugung.“

Kurze Halme bedeuten weniger Selektionsverhalten durch die Kühe, es bleibt kein Futter im Trog. 

Alle wollen häckseln

Einig sind sich beide: Ein Ladewagen wird, systembedingt, nie so gut schneiden, wie es der Häcksler schafft. „Nichtsdestotrotz gehen dem Einsatz des Häckslers Diskussionen mit den Kollegen in der Praxis voraus. So fragen mich viele, ob es nicht sinnvoller sei, bei ertragsstarken Schnitten den Häcksler und bei ertragsschwachen Schnitten im Sommer den Ladewagen einzusetzen“, so Blumberg. Weitere Bedenken seien die höheren Verfahrenskosten. Doch auch da könne er seine Kunden beruhigen. „In der Häckselkette scheint die einzelne Arbeitsstunde auf den ersten Blick teurer. Beim zweiten genaueren Hinschauen wird aber deutlich, dass die Häckselkette eine viel konstantere Leistung erbringt, bessere Qualitäten abliefert und in der Summe weniger Zeit in Anspruch nimmt“, erklärt Lohnunternehmer Blumberg, der mit acht festen Mitarbeitern und in der Saison 20 Aushilfen arbeitet. „Je häufiger die Milchviehhalter, die noch den Ladewagen favorisieren, die Häckselkette bei den Kollegen wahrnehmen, desto größer wird das Interesse.“ Außerdem mache das kurz gehäckselte Gras im Futtermischwagen sowie bei der Vorlage weniger Probleme und beanspruche weniger Zeit. Also hat in den letzten drei Jahren die Nachfrage deutlich zugenommen. „Wir liegen bei einem Verhältnis Trommelstunden Mais- zu Trommelstunden Grashäckseln von 50:50! Das bestätigt meine Beobachtungen einer Trendumkehr zum Grashäckseln“, meint Patrick Blumberg. 

 

Da die Kunden den Impuls gegeben hätten, künftig mehr Gras häckseln zu wollen, hat der Lohnunternehmer eine zweite Maschine angeschafft. So fährt neben dem CLAAS JAGUAR 950 seit 2025 ein JAGUAR 960 in der Häckselkette. „90 % unserer Kunden möchten das Gras häckseln. In der Regel schneiden wir die Flächen viermal, um das Grünland mit einer vernünftigen Grasnarbe in den Winter zu schicken. Quer durch alle Schnitte liegen wir bei 5.000 ha Gras pro Jahr“, kalkuliert Blumberg. 

 

Nie ganz ohne Ladewagen

Doch auch wenn im Zuge des Kaufs eines zweiten JAGUAR einer der Ladewagen abgeschafft wurde, findet diese Technik nach wie vor ihren Einsatz. „In jeder Häckselkette ist auch ein Ladewagen mit dabei. Denn entscheidend dafür, ob man die gesamte Häckselkette wirtschaftlich einsetzen kann, sind die Flächengröße und die Flächenstruktur“, so der Lohnunternehmer, der betont, dass auch ein Ladewagen regelmäßig erneuert werden müsse, um eine hohe Schnittqualität abliefern zu können. Auf diese Weise kalkuliert Blumberg eine denkbare Verfahrensleistung seiner Häckselkette von rund 70 t oder 7 ha pro Stunde. „Zum Vergleich: Für dieselbe Leistung benötigt man locker zwei bis drei Tridem-Ladewagen!“

 

Spezialisten haben Fahrsilos

Etwa 70% seiner Kunden haben Fahrsilos, der Anteil an Freihaufen nehme stetig ab. „Im Fahrsilo ist die Randverdichtung natürlich deutlich besser“, weiß der Siloprofi, der als einer der Ersten einen Systemschlepper, den CLAAS XERION, zum Verdichten einsetzt. „Die XERION sind durchschnittlich gut 600 Arbeitsstunden mit Anwalzen beschäftigt.“ 

 

Damit die Silage gelingt, wird außerdem Siliermittel eingesetzt. „Zu 90 % wird beim Häcksler mit Siliermitteln gearbeitet, die Dosiergenauigkeit ist dabei viel genauer und gleichmäßiger als beim Ladewagen, was unter anderem an der Benetzung hinter der Häckseltrommel vor dem Beschleuniger, der Expansion der Vorpresswalzen und in der Folge einem homogenen Gutfluss im Häcksler liegt.“ 

 

Mit dem Einsatz der Feldhäcksler werde eben nicht nur Masse, sondern auch Klasse erzeugt. „Die Milchkühe danken es mit höheren Leistungen“, weiß der Lohnunternehmer aus dem Feedback seiner Kunden. 

Feldhäcksler top für Standard-Silierverfahren

Heinz-Günter Gerighausen kann auf gut 50 Jahre Silage-Entwicklung blicken. Der 72-Jährige hat im Laufe seiner Praxisjahre und während seiner Beratertätigkeit bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen so manchen Trend hochschießen und wieder in sich zusammenfallen sehen. Aktuell sieht der Landtechniker den Trend zu kurzer Halmlänge, möglich gemacht durch den Einsatz des Feldhäckslers auch bei der Grasernte und -silierung. „Bei Häcksellängen von 8 bis 14 mm kann das Potenzial der Häckseltrommel voll ausgeschöpft werden. Die Maschine verschluckt sich nicht mehr und kann viel mehr auf Drückung fahren, die Motorleistung wird optimal ausgelastet!“, nennt der Experte einen technischen Vorteil. 

 

Außerdem habe sich die Struktur der Betriebe verändert, darin stimmt Gerighausen Lohnunternehmer Patrick Blumberg zu. „Der Häcksler garantiert Schlagkraft, er läuft im Mais und im Gras. So lohnt sich die Investition“, meint der Experte und hat dabei das hohe Niveau der Häckselkette – Mähen, Schwaden, Bergen – im Blick. Das betreffe auch eine bessere Verteilung des gleichmäßig kurz gehäckselten Materials im Silo. „Beim Häcksler lässt sich keine Zopfbildung oder Verzahnung des Materials beobachten, was beim Ladewagen oft passiert.“ 

 

Die Vorteile für eine bessere Silierung durch diese Technik finden sich, so Gerighausen, natürlich auch im Futter wieder. „Kurz gehäckseltes Gras bleibt länger geschmacksstabil. Und: Es gibt keine Diskussionen mehr über Überlängen! Kurze Halme bedeuten weniger Selektionsverhalten durch die Kühe, es bleibt kein Futter im Trog. Futterreste will kein Landwirt!“, ist er sich mit Patrick Blumberg und dessen anspruchsvollen Kunden einig. 

 

Dass es bei der Grassilageherstellung nicht nur auf Masse, sondern eben auch auf hochwertige Qualität ankommt, dafür möchte der Experte unter anderem in dem DLG-Seminar „Siloprofi“ werben. „Wir möchten die Landwirte sensibilisieren, die Leistungs- und Gesundheitsdaten der Tiere in den Blick zu nehmen. Und das geht am besten, wenn die Technik bestes Siliergut abliefert und man sich darum keine Sorgen zu machen braucht“, so Gerighausen. Wer einmal selbst beim Öffnen der Miete das duftende Aroma einer guten Grassilage gerochen habe, könne nachvollziehen, was die Kühe dabei empfinden müssen. „Man sieht es dem Gras auf dem Feld ja nicht unbedingt an, ob aus dem Aufwuchs eine gute Silage wird“, so Gerighausen mit einem Augenzwinkern. „Ein Feldhäcksler komplettiert in meinen Augen die optimale Häckselkette für unsere Standard-Silierverfahren.

 

www.dlg-akademie-agrar.de