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#AgriCulture

 

Zwischen Acker und Algorithmus: Echte Landwirtschaft auf Insta.

Während Manche über fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Land klagen, gehen einige wenige in die Bildungsoffensive in den Sozialen Medien. Landwirt Frerk Arfsten, 35 Jahre, zeigt auf Instagram seinen Hof: ehrlich, ungeschönt – und voller Leidenschaft für einen Beruf, den viele Gleichaltrige nicht verstehen.

Frerk Arfsten hebt den Blick, um seinen JAGUAR Feldhäcksler mit dem Smartphone abzufilmen. Er ist zufrieden: Die glänzende Maschine strahlt majestätisch im Sonnenlicht. Perfekte Aufnahme für seinen Insta-Kanal. 

 

Auf Social Media teilt der 35-Jährige regelmäßig Videos und Fotos von den Traktoren, Mähdreschern und Feldhäckslern, die auf seinem Gut Müggenbusch in Sachsen-Anhalt im Einsatz sind. Sein Kanal zeigt seine Arbeitstage ungeschönt: wenige gestellte Bilder mit künstlicher Unschärfe im Sonnenuntergang, mehr Aufnahmen aus Sicht des Fahrers, Schnappschüsse, as echte Leben. Mit seiner Online-Präsenz verfolgt Frerk ein klares Ziel: Menschen über Landwirtschaft aufzuklären, die wenig darüber wissen. „Ich wollte schon immer, dass die Leute sehen, was wir hier machen“, erklärt er.

Mehr als jeder vierte Hof heute auf Social Media präsent

 

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe nutzen digitale Technologien, um Einblicke in die Herkunft und Produktionsbedingungen auf dem Hof zu geben. Dabei setzen viele, wie der Betrieb von Frerk, verstärkt auf soziale Netzwerke. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom aus diesem Jahr sind inzwischen 28 Prozent der deutschen Höfe auf sozialen Medien wie Instagram, Facebook oder LinkedIn aktiv. Vor zwei Jahren waren es erst 19 Prozent. 

Die Realität der modernen Landwirtschaft vermittelt Frerk in seinen Instagram Storys: „Viele Menschen haben keinen Bezug mehr zu dem, was auf den Feldern passiert oder wie die Tiere gehalten werden“, sagt er. Nur das Endprodukt im Supermarkt, mehr würden die meisten nicht kennen. „In den vergangenen 30 Jahren wurde viel automatisiert. Aber das bedeutet nicht, dass es einer Milchkuh schlechter geht, nur weil sie im Stall steht und nicht auf der Weide“, sagt er.

 

Im Nordosten von Sachsen-Anhalt hält er etwa 700 Rinder und 1.500 Schweine, dazu bewirtschaftet er zusammen mit sechs Festangestellten und einem Lehrling 1.500 Hektar Land. Der Landwirt hat den Hof 2016 von seinem Vater übernommen. Seit einem Jahr betreibt er den Instagram-Kanal, dem inzwischen mehr als 2.000 Nutzer folgen. „Es geht nicht nur um Technik, sondern auch um die Tiere, die Natur und die Verantwortung, die wir tragen“, betont er. 

Wenn Kritiker diskutieren wollen

 

Social Media ist immer auch eine Spielwiese für Kritiker. „Da war einer der festen Überzeugung, dass wir Pflanzenschutzmittel in Unmengen ausbringen würden. Dabei sind es oft nur 15 Gramm pro Hektar, die wir mit Wasser mischen und auf die Pflanzen sprühen“, erklärt der Öko-Bauer Frerk seinen Online-Alltag. Dem Diskurs stellt er sich: „Mit meinem Kritiker habe ich drei Tage lang hin und hergeschrieben“, sagt er tapfer. „Ich finde es wichtig, solche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, den Leuten die Angst und die Vorbehalte zu nehmen.“

 

Frerk ist Bauer auf Social Media, nicht Social-Media-Experte mit Bauernhof: Er postet aus dem Bauch heraus, nicht aus strategischen Gründen oder um Trends nachzurennen. „Wenn ich denke, dass etwas interessant ist, nehme ich mein Handy und filme es. Das kann ein Moment beim Füttern sein oder der Häcksler im Einsatz“, betont er und zeigt auf die Tiere im Stall, nur ein paar Meter entfernt. Wobei, ein bisschen Klickzahlen-Hintergedanken gibt es dann doch: „Tierbabys sind immer ein Highlight – die kommen einfach gut an und der Algorithmus scheint das auch zu mögen.“

 

 

Authentizität und Leidenschaft ziehen neue Mitarbeitende an

 

Der Biohof hat dank Social Media auch keine Probleme mit Fachkräftemangel. Seit er online sichtbar ist, erhält Frerk viele Bewerbungen. Ein angehender Landwirt aus Schweden bewarb sich neulich erst auf dem Hof – „natürlich über Insta“, wie Frerk sagt. Im nächsten Jahr wird der Insta-Schwede ein Praktikum auf Gut Müggenbusch machen. „Über neue Mitarbeiter muss ich mir gerade keine Sorgen machen“, sagt Frerk stolz. 

 

Für die Zukunft plant er, den Internetauftritt von Gut Müggenbusch weiter auszubauen. „Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mehr Zeit für Social Media, um all die Ideen, die ich habe, umzusetzen“, gesteht er. Ob Direktvermarktung oder mehr Präsenz vor der Kamera – vieles ist für ihn denkbar. Nur eines ist sicher: Er bleibt sich treu. „Ich liebe, was ich tue“, sagt er, „und ich möchte, dass die Leute das sehen. Landwirtschaft ist mehr ist als nur ein Beruf. Es ist eine Lebensweise, eine Leidenschaft.“