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#AgriChallenges 

 

Was nützen die Solar-Leitplanken auf dem Acker?

Photovoltaik trifft auf Photosynthese: PV-Anlagen auf dem Feld sind ein wachsender Trend in der Landwirtschaft. Während horizontale Paneele die Ernteflächen überdecken, durchzieht die Solaranlage des österreichischen Landwirts Josef Gründl den Acker quer. Seine Anlage produziert morgens und abends den meisten Strom – damit stellt er die meisten Flach-Anlagen in den Schatten. 

Sie durchziehen wie riesige Leitplanken den Acker von Joseph Gründl in der österreichischen Steiermark: 4.200 Solarmodule, je 465 Watt, präzise aneinander gereiht an 2.100 Stahlprofilen, genau 9,40 Meter Abstand. Die Solar-Leitplanken ermöglichen dem traditionsverbundenen Bauern doppelten Ertrag: Auf dem Feld gedeiht die zukünftige Ernte, daneben sammeln Solarpaneele die Sonnenkraft. 

 

„Die vertikale Technologie überbaut nur etwa ein Prozent der gesamten Ackerfläche“, so der Landwirt, der seinen Hof seit 1990 betreibt. Abzüglich des ungenutzten Streifens unter der Photovoltaikanlage können weit über 90 Prozent der Fläche bewirtschaftet werden. Das sind mehr als bei horizontalen Anlagen – hier gehen Fachleute von rund 85 Prozent bewirtschaftbarer Restfläche aus. Größter Vorteil einer solchen Doppelnutzungsanlage: Da die Module immer senkrecht stehen, kann Josef Gründl im Frühjahr mit dem Traktor eggen und säen. Im Herbst wird dann mit dem Mähdrescher geerntet.  

Agri-PV-Anlagen weltweit auf dem Vormarsch 

 

Der Hof von Josef Gründl in Gabersdorf ist einmalig in Österreich, doch in vielen Ländern weltweit stehen sie die Solar-Leitplanken schon: In Vermont (USA) werden zahlreiche vertikale Agri-PV-Anlagen gebaut, wie sie Fachleute nennen, in Deutschland weiden zwischen solchen Paneelen im Saarland neuerdings Rinder. Selbst am Flughafen Frankfurt kann man vertikale Solar-Paneele beim Blick aus dem Flieger sehen.  

 
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzt beim Ausbau von Photovoltaik auf Agrarflächen und effiziente Mehrfachnutzung: Stromerzeugung als auch landwirtschaftliche Nutzung auf derselben Fläche dank Agri-PV.    

Strom vom Acker für 500 Haushalte  

 

„Die meiste Energie fließt morgens zwischen 9 und 10 Uhr und nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr, da die Module eine Ost-West-Ausrichtung haben“, sagt Gründel – und freut sich etwas. Herkömmliche Anlagen haben ihren Peak nämlich zwischen 12 und 13 Uhr, wenn die Sonne senkrecht steht. Gründl ist also dann am produktivsten, wenn bei den anderen nicht viel läuft. 2000 Megawattstunden (MWh) produziert seine Anlage im Jahr. Die werden ins örtliche private Stromnetz eingespeist – damit können rund 500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Oder aber ein Mittelklasse-Elektroauto knapp 25.000 Mal aufgeladen werden.  

20 Tonnen und 800 Megawattstunden  

 

Der Acker ist mit 5,1 Hektar so groß wie sieben Fußballfelder. Darauf baut Josef Gründl abwechselnd Sojabohnen, Kürbisse und Getreide an. Ein im Verhältnis doch eher kleiner Nachteil der vertikalen Paneele: „Mais oder Sonnenblumen sind zu groß. Meine Pflanzen dürfen wegen möglicher Verschattung der Solarzellen nicht höher als 80 cm sein.“  

 

Im Jahr 2024 sind Sojabohnen dran. Die wurden Anfang Mai gesät, im September will Josef Gründl dann rund 20 Tonnen ernten. Und ganz nebenbei produziert er in diesen fünf Monaten mehr als 800 Megawattstunden Strom. 2023 haben Gründl und sein Partner für ihr innovatives Projekt übrigens den österreichischen Solarpreis der Eurosolar Austria gewonnen.  

Ohne Agri-PV: Referenzfeld zum Vergleich nebenan 

 

Direkt neben seinem Agri-PV Feld betreibt Gründl ein ebenfalls vom Staat gefördertes Referenzfeld – ohne Solarpanels. „Da bauen wir exakt das gleiche wie auf unserem Solaracker an. Nach der Ernte schauen wir dann, ob es Unterschiede im Wachstum oder der Qualität der Pflanzen gibt.“ Und die wird es nicht geben, da ist sich der Landwirt schon jetzt sicher. „Nächstes Jahr bauen wir dann wahrscheinlich Getreide an und schauen, ob das auch so reibungslos läuft.“