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Echte Kumpel

Echte Kumpel

Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung und ausgestattet mit Grubenhelm, „Geleucht“ (Grubenlampe) und „Selbstretter“ (Atemschutzgerät) startet der Bergwerksbesuch zu Fuß. Ein Schild über dem „Mundloch“ (Grubeneingang) bei Lamerden in Nordhessen grüßt Mitarbeiter und Besucher mit einem bergmännischen „Glück auf“. Absender ist der größte Gipsproduzent der Welt, die Knauf Gips KG. Ab jetzt gilt das Bergrecht.


Nach wenigen Schritten fällt im Schein einer Kerze eine kleine Frauenstatue auf. Für sie wurde ein Schrein grob ins Gestein gehauen. Es ist die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Mit Schichtbeginn entzünden die Bergmänner ihre Kerze und bei Schichtende wird sie wieder gelöscht. An der Wand gegenüber verschiebt Pascal Tölle an einer Tafel zwei kleine Magnetknöpfe. Hier wird dokumentiert, wer gerade in der Grube ist. 


Seit 2017 arbeiten vier seiner insgesamt sechs festen Mitarbeitenden regelmäßig hier unten. Pascal Tölle ist 35 Jahre jung, hat Landwirtschaft gelernt und betreibt im benachbarten Hofgeismar ein Lohnunternehmen mit den Schwerpunkten Gülle- und Cultandüngung, Mähdrusch (LEXION 760 TERRA TRAC), Transporte für Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Bergbau sowie Bagger- und Gehölzarbeiten für Kommune und Forst. 

Die Transportgespanne müssen hohen Punktbelastungen und Vibrationen standhalten. Deshalb ist LED hier unten das Leuchtmittel der Wahl.

Wichtig sind Pascal Tölle und auch dem Auftraggeber vor allem Komfort und Sicherheit für die Fahrer. Achs-, Kabinen- und Sitzfederung seien ein Muss und Bremsanlage und Beleuchtung müssten immer einwandfrei funktionieren.

Von 1 m auf 60 mm Körnung

Weiter geht’s mit dem Auto. Das erste Ziel ist die Brecher-Anlage. Der Weg dorthin ist zwar mit Pfeilen auf den Wänden und rot-weißem Flatterband markiert, aber gänzlich unbeleuchtet. Solange die Pkw-Scheinwerfer nicht eingeschaltet sind, sieht man die Hand vor Augen nicht, so dunkel ist es dort unten. Aber schon nach wenigen Minuten erscheint Licht am Ende des Tunnels und kündigt die Brecher-Anlage an. Sie steht am Ende eines Tunnels mit deutlich mehr Deckenhöhe und hat gerade Nachschub bekommen. 25 t Rohgips, darunter Gesteinsbrocken von bis zu einem Meter Durchmesser, die für den späteren Transport und die Weiterverarbeitung auf eine Körnung von 60 mm zerkleinert und gesiebt werden müssen. Die Anlage ist riesig und verarbeitet 120 t/h. Zu sehen ist lediglich der Annahmetrichter. Der Rest ist in einem Schacht verbaut und verschwindet in einem Nebel aus feinsten Gipspartikeln. 

 

Schwer beladen durch enge Tunnel

Pascal Tölle löst einen seiner zwei Mitarbeiter ab, die heute die Frühschicht von 5 bis 13 Uhr gefahren sind. Ihre Aufgabe ist es, unentwegt Rohgips vom Abbaugebiet zur Brecher-Anlage zu transportieren. Zum Einsatz kommen ein AXION 810 und ein AXION 870 mit 25-t-Mulden. Die Entfernung beträgt derzeit etwa 2 km. Da Brecher-Anlage und Fördertechnik in der Nähe des Stollenausgangs fest installiert sind, werden die Wege zwischen Gewinnungsstätte und Aufbereitungsanlage immer länger. 

 

Weiter geht’s mit dem AXION 810. Die Traktorkabine ist erstaunlich sauber. „Mit Gipsstaub haben wir es eigentlich nur hier im Bereich der Brecher-Anlage zu tun, wo meine Leute den Traktor aber gar nicht verlassen. Das müssen sie nur im Abbaubereich zum Beladen der Mulde mit dem Radlader“, versichert Pascal Tölle. Zielsicher lenkt er sein Gespann durch das verzweigte Tunnelsystem bis er den Abbaubereich erreicht. Dort wartet im Dunkel ein 18-t-Radlader auf seinen Einsatz. Tölle wechselt den Fahrersitz und einen Knopfdruck später wird im Scheinwerferlicht des Radladers deutlich, wo bei dieser Arbeit die Herausforderung liegt – nämlich in der niedrigen Deckenhöhe von etwa 4 m. Ein paar Minuten später und 25 t schwerer geht’s mit dem AXION Gespann zurück zur Brecher-Anlage. 

 

Komfort & Sicherheit für die Fahrer

„Wendige Traktoren mit guter Rundumsicht sind hier hilfreich“, lobt Tölle seine CLAAS Traktoren, denn das Tunnelsystem sei symmetrisch angelegt. Es gäbe ausschließlich 90°-Kurven und man müsse entsprechend viel auf engstem Raum rangieren. Noch wichtiger seien an diesem außergewöhnlichen Arbeitsort die Themen Komfort und Sicherheit. „In Acht-Stunden-Schichten von 5–13 Uhr und 12–20 Uhr arbeiten immer zwei meiner Leute hier unten. Ohne das Paket aus Achs-, Kabinen- und Sitzfederung geht es nicht. Und natürlich müssen Bremsanlage und Beleuchtung immer einwandfrei funktionieren“, betont Pascal Tölle. Die allgemeine Bundesbergverordnung schreibt unter Tage eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h vor. Mit vollem Gespann bzw. 43 t Gesamtgewicht würde man freiwillig aber eh nicht schneller fahren. „Sonst steht man ziemlich schnell vor der Wand“, sagt Pascal Tölle schmunzelnd. Außerdem seien Gefälle von bis zu 15 % zu bewältigen, wofür die Traktoren ein Minimum an Leistung und Gewicht bräuchten und er beide mit einem zusätzlichen 400-kg-Frontgewicht ausgestattet habe. 

 

Digital Detox

Ansonsten sei die Arbeit im Bergwerk bis auf die Sprengungen weniger spektakulär als vielleicht angenommen. „Man arbeitet hier unten sehr entspannt, aber nicht jeder kommt damit klar, dass er, abgesehen von einer halbstündigen Pause, kein Tageslicht sieht, nicht rauchen darf und vor allem offline ist. Denn Gips absorbiert elektromagnetische Strahlung. Funk funktioniert hier unten nur wenige Meter weit; Radio, Mobilfunktelefonie und Social Media gar nicht. Das Team kommuniziert bei Bedarf über eine unter Tage installierte Telefonanlage und Musik muss man sich vorher herunterladen“, erklärt Pascal Tölle. Seine vier Stammfahrer würden diese „Ruhe“ genießen und vor allem die geregelten Arbeitszeiten schätzen. Der Auftrag werde nach Zeit abgerechnet und dazu zähle auch die Pausenzeit. Voraussetzung für die Arbeit unter Tage sei körperliche Fitness und natürlich dürfe man nicht klaustrophobisch veranlagt sein, sagt der junge Unternehmer mit einem Lachen. 

 

Keine höheren Anforderungen

Wieder an der Brecher-Anlage entleert er die Mulde übers Heck, die er dazu bis 45° kippen kann. Danach ist der Arbeitseinsatz für heute beendet und Pascal Tölle lenkt seinen AXION Richtung Mundloch. Dort befinden sich unter Tage eine Tankstelle und eine Werkstatt, die das Team von LU Tölle ebenfalls nutzt: Täglich, während des einstündigen Schichtwechsels ruht die Fördertechnik, um Wartungsarbeiten an Anlagen und Fahrzeugen vorzunehmen. 

 

Der Bergwerkseinsatz stelle im Grunde aber keine höheren Anforderungen an seine Traktoren als die Transporteinsätze in der Land- und Bauwirtschaft. Beide Schlepper sind mit einer herkömmlichen Ackerbereifung unterwegs. „Der Verschleiß ist unter Tage sogar geringer als auf der Straße, dafür ist die Wahrscheinlichkeit für einen Plattfuß etwas höher“, berichtet der junge Unternehmer.

 

Und auf dem Acker hilfreiche Tools wie das GPS PILOT Lenksystem oder CEMOS würden unter Tage wie gesagt nicht funktionieren, dort aber auch nicht gebraucht. „Die Orientierung ist dank der symmetrischen Tunnelanordnung denkbar einfach und auch die eigentliche Aufgabe nicht kompliziert. So nutzen wir auf dem CMotion Multifunktionsgriff lediglich drei Steuergeräte“, sagt er und bringt seinen Traktor an der Tankstelle zum Stehen. 

 

Saubere Motoren

Voraussetzung für den Untertageeinsatz sei lediglich, dass die Traktoren einen Feuerlöscher an Bord haben und vor allem die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Denn im Tunnelsystem steht nur ein gewisses Luftvolumen zur Verfügung, das aktiv eingeblasen wird und für das gerade im Stickoxidbereich strenge Grenzwerte gelten. Gleichzeitig sind im Bergbau wegen der Leistungsanforderungen und vor allem aus Gründen des Brandschutzes der Verbrennungsmotor und Diesel als Kraftstoff derzeit noch alternativlos. Hier kann LU Tölle mit seinen modernen Traktoren und sauberen Motoren aus der Landwirtschaft gegenüber vielen Baumaschinen punkten. Das freut Auftraggeber und -nehmer gleichermaßen. 

 

Auch was die weitere Zusammenarbeit betrifft, sind beide positiv gestimmt. Schließlich steige seit dem Kohleausstiegsgesetz in Deutschland die Nachfrage nach Naturgips, weil deutlich weniger REA-Gips, ein Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken, anfalle.