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Die „dicken Bertas“ waren ihrer Zeit weit voraus
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Die „dicken Bertas“ waren ihrer Zeit weit voraus

Die „dicken Bertas“ waren ihrer Zeit weit voraus

Die Geschichte begann damit, dass die Häcksler-Entwickler Ende der 1990er Jahre untersuchen wollten, wie viel Motorleistung die Aggregate eines JAGUAR Feldhäckslers tatsächlich verarbeiten konnten. So entstand eine Versuchsmaschine, bei der durch Anpassungen an der Einspritztechnik Schritt für Schritt die Leistung des Originalmotors eines JAGUAR 880 (Typ 490) auf rund 720 PS erhöht wurde. Die Einsätze zeigten jedoch, dass die Grenzen der Häcksleraggregate trotz dieser Leistung noch nicht erreicht waren. Die Entwickler beschlossen daher, die Motorleistung weiter zu steigern. 

Versuchshäcksler „Dicke Berta I“ (2000): Mit zwei Motoren diente er dazu, Leistungsgrenzen und Gutfluss von Feldhäckslern zu erforschen.

Versuchshäcksler „Dicke Berta II“ (2006): Mit verbreitertem Gutfluss bestätigte er das Potenzial hoher Leistungen bei stabiler Qualität und Effizienz, war jedoch aufgrund von mehr als 3 m Maschinenbreite nicht marktfähig.

Not macht erfinderisch 

 

Da passende Großmotoren nicht verfügbar waren, wurde kurzerhand ein zweiter, rund 435 PS starker Motor samt Einspritzanlage und eigener Kühlung hinter dem ersten Motor integriert. Beide Aggregate waren über Keilriemen verbunden und lieferten gemeinsam rund 1.150 PS. Diese Leistungsklasse lag damals weit über dem üblichen Niveau von Feldhäckslern. 

 

Im praktischen Einsatz konnte die „Dicke Berta“ beweisen, dass die Gesamtleistung beider Motoren ein Durchsatzpotenzial von bis zu 500 t theoretischer Stundenleistung ermöglichte. Damit konnten sämtliche Aggregate, vom Einzug bis zum Nachbeschleuniger, unter realen Bedingungen getestet werden. 

 

Doch es zeigte sich auch: Ohne Anpassung von Gutfluss und Aggregatgrößen war dieses Potenzial nur mit Kompromissen nutzbar. Kupplungen, Gelenkwellen und Vorsatzantriebe wurden zu limitierenden Faktoren, vor allem aber geriet der Materialstrom an seine Grenzen. Mit steigender Leistung nahmen Störungen, Einschränkungen im Einstellbereich und Qualitätsprobleme zu. Am Ende stand eine zentrale Erkenntnis: Ab einer bestimmten Motorleistung muss der Gutfluss größer werden, sonst gehen Leistung und Qualität auseinander.

Ohne großen Gutfluss läuft nichts

 

Um diese These zu überprüfen, folgte 2006 eine zweite „Dicke Berta“. Dieser JAGUAR (Typ 493) wurde ebenfalls mit zwei Motoren und vergleichbarer Gesamtleistung ausgerüstet. Doch der Gutflussstrang, vom Einzug über die Häckseltrommel bis zum Corncracker, wurde deutlich größer ausgeführt. Allein der Corncracker erreichte 1 m Breite. 

 

Die Versuche bestätigten nun die Vermutung: Mit breiterem Gutfluss ließ sich die hohe Motorleistung dauerhaft und ohne Qualitätseinbußen beherrschen. Gleichzeitig zeigte sich, dass der größere Durchsatz nicht zu einem überproportionalen Kraftstoffverbrauch führte, so dass die Effizienz erhalten blieb. 

 

Allerdings hatte diese Lösung einen entscheidenden Nachteil: Mit über 3 m Stahlbreite beziehungsweise rund 3,48 m inklusive Bereifung überschritt die „Dicke Berta II“ die zulässige Straßentransportbreite und war damit nicht marktfähig. Diese Erkenntnis war zur damaligen Zeit jedoch nicht unmittelbar praxisrelevant, denn die Betriebe und ihre Infrastruktur waren nicht auf diese extrem hohen Häckselleistungen ausgelegt. Abfuhrlogistik, Transportkapazitäten und Fahrsilogrößen konnten noch nicht Schritt halten. 

Heute ist Mehrleistung gefragt

 

Heute sind diese Voraussetzungen jedoch vielerorts gegeben. Damit war der Weg frei, den Zielkonflikt konstruktiv zu lösen, was CLAAS mit dem neuen JAGUAR 1000 gelungen ist. Neben der Motorleistung von bis zu 1.110 PS ist bei dieser Maschine vor allem der im Vergleich zur Baureihe JAGUAR 900 um rund 20 % verbreiterte Gutfluss das entscheidende Leistungsmerkmal. Gleichzeitig werden die Grenzen der Straßentransportbreite eingehalten. 

 

Möglich wurde dies durch eine neue Anordnung der Antriebsstränge für die Vorsatzgeräte. Während diese beim JAGUAR 900 nebeneinander angeordnet sind, liegen sie beim JAGUAR 1000 übereinander. Dadurch entstand zusätzlicher Bauraum für den Materialfluss. Das Ergebnis ist beeindruckend: Gegenüber dem bisherigen Spitzenmodell JAGUAR 990 ist der Durchsatz beim JAGUAR 1200 deutlich über 20 % gestiegen. 

 

Alles in allem waren die „Dicken Bertas“ ihrer Zeit also weit voraus. Sie zeigten frühzeitig, dass echte Leistungssteigerungen nur dann funktionieren, wenn Motorleistung, Gutflussdimensionen und Maschinenkonzept perfekt zusammenspielen. Rückblickend waren sie somit nicht nur technisch wie optisch außergewöhnliche Versuchsmaschinen, sondern Wegbereiter für die Technologie der heutigen