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Alternative Kraftstoffe

Alternative Kraftstoffe

Ist das die Lösung?

Gibt es das? Einen Kompromiss, der fossile Steuerbegünstigungen reduziert und gleichzeitig die heimische Landwirtschaft stärkt? Eine Lösung, die die Landwirtschaft klimafreundlicher macht, ohne Mehrkosten für die Betriebe zu verursachen? Für Patrick Ahlbrand aus dem CLAAS Expertenteam für Antriebssysteme der Zukunft lautet die Antwort darauf zweimal ja. 

 

Der Stoff, der den Experten so optimistisch stimmt, ist nicht neu. Er heißt Hydrotreated Vegetable Oils oder kurz HVO 100. Der Biokraftstoff wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Rohstoffen wie Rest- und Abfallstoffen hergestellt, vor allem aus gebrauchten Speiseölen und -fetten. Der Prozess der Herstellung ist vergleichbar mit der Raffination von Erdöl zu Diesel. Aber was noch viel wichtiger ist: Das Endprodukt ist nahezu identisch! 

„HVO 100 hat etwa die gleiche Energiedichte wie Diesel und auch sonst vergleichbare Eigenschaften. Das heißt, der Biokraftstoff kann Diesel 1:1 ersetzen“

Patrick Ahlbrand

Und genau das tut CLAAS deshalb auch. Seit dem 1. Oktober 2023 kommen alle neuen CLAAS Traktoren und Erntemaschinen der aktuellen Abgasstufe V mit HVO aus Rest- und Abfallstoffen im Tank bei den Kunden an. Zudem sind diese Maschinen offiziell für den Betrieb mit dem alternativen Kraftstoff freigegeben.

 

„Mit der CLAAS Initiative ‚Alternative Fuels‘ wollen wir HVO 100 bekannter machen und die breite Einführung des Biokraftstoffs in der Landwirtschaft unterstützen“, sagt Patrick Ahlbrand. Dafür spricht aus seiner Sicht eine lange Liste an Vorteilen. An erster Stelle steht der Klimaschutz. So verringert sich der CO2-Ausstoß im Vergleich zur Nutzung von fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent. Außerdem fallen bei der Verbrennung deutlich weniger Ruß- und Stickoxidemissionen an.

 

Weiterer entscheidender Vorteil: Anders als bei Elektro- oder Wasserstoffantrieben muss bei Umstellung auf HVO 100 nicht in neue Maschinen, Umrüstungen oder Tankinfrastruktur investiert werden. HVO 100 ist ein sogenanntes Drop-in-Fuel, mit dem vorhandene Maschinen direkt betankt werden können. Und anders als bei der Nutzung von reinem Pflanzenöl riechen die Abgase nicht nach altem Frittierfett. „Da HVO 100 sauerstofffrei ist, lässt sich der Biokraftstoff auch länger lagern als Diesel“, ergänzt Ahlbrand. 

Seit dem 1. Oktober 2023 kommen alle neuen CLAAS Traktoren und Erntemaschinen der aktuellen Abgasstufe V mit HVO im Tank bei den Kunden an. 

Anders als bei Elektro- oder Wasserstoffantrieben muss bei Umstellung auf HVO 100 nicht in neue Maschinen Umrüstungen oder Tankinfrastruktur investiert werden.

Blick über die Grenzen

Auch die benötigten Mengen wären laut Prognosen verfügbar. Denn in anderen europäischen Ländern wie Italien, den Niederlanden und Schweden ist HVO bereits etabliert, inklusive der notwendigen Produktionsanlagen. Auch weltweit ist die Produktionsmenge für HVO 100 in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Bis 2025 wird sie voraussichtlich bei jährlich über 30 Millionen Tonnen liegen. Genug für die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland, die pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen Diesel benötigen. 

 

Dass der alternative Kraftstoff in Deutschland bisher nicht verbreitet ist, liegt an einer gesetzlichen Vorgabe, nach der erneuerbare Biokraftstoffe wie HVO 100 nicht in Reinform an Tankstellen abgegeben werden dürfen. Diese Einschränkung hat das Bundeskabinett jedoch Ende 2023 aufgehoben. Ab dem Frühjahr 2024 soll HVO 100 dann für Betriebe und private Nutzer verfügbar sein.

 

„Ein weiteres Hindernis für die Verbreitung wird dann jedoch der bestehende Preisunterschied zu Diesel sein“, gibt Patrick Ahlbrand zu bedenken. HVO wird zurzeit genauso besteuert wie Diesel und kostet etwa 15 Cent mehr pro Liter. Rechnet man die zurzeit noch bestehende Rückvergütung für Agrardiesel dazu, liegt die Preisdifferenz bei 36 Cent pro Liter. „Viel zu viel, um für Betriebe attraktiv zu sein“, meint Ahlbrand.

 

Doch das ließe sich seiner Einschätzung nach ändern. „Statt nur den fossilen Diesel steuerlich zu begünstigen, wäre es naheliegend, den deutlich klimafreundlicheren HVO-Kraftstoff zu fördern“, meint Ahlbrand. Das würde die Nachfrage und die Produktion ankurbeln, was sich wiederum positiv auf den Preis auswirken könnte. „Und nicht zuletzt hätte man eine viel breitere gesellschaftliche Akzeptanz für die steuerlichen Vorteile“, meint der Fachmann.

 

Wie viel CO2 mit einer flächendeckenden Nutzung von HVO 100 in der Landwirtschaft eingespart werden könnte, macht bereits die CLAAS First-Fill-Initiative deutlich. Allein die Auslieferung der Maschinen aus Harsewinkel und Le Mans mit HVO 100 statt Diesel im Tank verringert den jährlichen CO2-Ausstoß schon um 2.500 Tonnen.