Blick über die Grenzen
Auch die benötigten Mengen wären laut Prognosen verfügbar. Denn in anderen europäischen Ländern wie Italien, den Niederlanden und Schweden ist HVO bereits etabliert, inklusive der notwendigen Produktionsanlagen. Auch weltweit ist die Produktionsmenge für HVO 100 in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Bis 2025 wird sie voraussichtlich bei jährlich über 30 Millionen Tonnen liegen. Genug für die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland, die pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen Diesel benötigen.
Dass der alternative Kraftstoff in Deutschland bisher nicht verbreitet ist, liegt an einer gesetzlichen Vorgabe, nach der erneuerbare Biokraftstoffe wie HVO 100 nicht in Reinform an Tankstellen abgegeben werden dürfen. Diese Einschränkung hat das Bundeskabinett jedoch Ende 2023 aufgehoben. Ab dem Frühjahr 2024 soll HVO 100 dann für Betriebe und private Nutzer verfügbar sein.
„Ein weiteres Hindernis für die Verbreitung wird dann jedoch der bestehende Preisunterschied zu Diesel sein“, gibt Patrick Ahlbrand zu bedenken. HVO wird zurzeit genauso besteuert wie Diesel und kostet etwa 15 Cent mehr pro Liter. Rechnet man die zurzeit noch bestehende Rückvergütung für Agrardiesel dazu, liegt die Preisdifferenz bei 36 Cent pro Liter. „Viel zu viel, um für Betriebe attraktiv zu sein“, meint Ahlbrand.
Doch das ließe sich seiner Einschätzung nach ändern. „Statt nur den fossilen Diesel steuerlich zu begünstigen, wäre es naheliegend, den deutlich klimafreundlicheren HVO-Kraftstoff zu fördern“, meint Ahlbrand. Das würde die Nachfrage und die Produktion ankurbeln, was sich wiederum positiv auf den Preis auswirken könnte. „Und nicht zuletzt hätte man eine viel breitere gesellschaftliche Akzeptanz für die steuerlichen Vorteile“, meint der Fachmann.
Wie viel CO2 mit einer flächendeckenden Nutzung von HVO 100 in der Landwirtschaft eingespart werden könnte, macht bereits die CLAAS First-Fill-Initiative deutlich. Allein die Auslieferung der Maschinen aus Harsewinkel und Le Mans mit HVO 100 statt Diesel im Tank verringert den jährlichen CO2-Ausstoß schon um 2.500 Tonnen.