Wie muss man sich das Leben in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich vorstellen – genauer gesagt im ländlichen Westfalen? In Berlin herrschte Wilhelm I. als Kaiser, und sein Kanzler Otto von Bismarck mühte sich, aus vielen kleinen Staaten allmählich eine deutsche Nation zu formen.
Was sich in der Provinz abspielte, erzählen uns weniger die Geschichtsbücher als jene alten braunen Fotografien und Postkarten, die alle Eskapaden der Zeitläufe überstanden haben. Sie zeigen Szenen auf kleinen Höfen mit soliden Fachwerkbauten. Oftmals Arbeits- und Ernteszenen mit Pferdefuhrwerken, Heuwagen und staubigen Feldwegen als Kulisse. Die Menschen blicken misstrauisch in die Linse der ersten Stativkameras. Die Männer haben dicke Schnauzbärte und tragen Hüte, die Frauen eine dunkle Schürze vor dem schwarzen Kleid. Das Kennzeichen der oftmals barfuß laufenden Kinder scheinen durchweg runde Gesichter und abstehende Ohren zu sein. Diese Menschen in Schwarzweiß scheinen sich für diesen einen Kameraaugenblick kurz auszuruhen von schwerer Arbeit auf dem Feld.












