Wie entwickelte sich die Getreideernte danach weiter?
Das Wissen um den Mähwagen geriet im Mittelalter in Vergessenheit. Sichel und Sense bestimmten über gut anderthalb Jahrtausende die Ernte. Ohne Fortschritt aber war auch diese Zeit nicht. In den Niederlanden entwickelten Bauern zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Hausense, auch Sichte genannt. Typologisch steht sie zwischen Sichel und Sense, brachte größere Flächenleistung, die allerdings mit höherem Körnerverlust einherging. Ihr Einsatz wollte wohlüberlegt sein, weshalb das Gerät nur regionale Bedeutung erlangte.
Was waren entscheidende Gründe für die rasante Entwicklung der Landtechnik in den vergangenen zwei Jahrhunderten?
Die von annähernd einer Milliarde Menschen im Jahr 1800 auf derzeit etwa 7,6 Milliarden Menschen angewachsene Erdbevölkerung verlangt nach mehr und besseren Nahrungsmitteln. Intensivierung von Pflanzenbau und Viehwirtschaft ist das Gebot der Stunde. Hinzu kommen neue, ertragreiche Pflanzen, die ohne effiziente Verfahren nicht erfolgreich zu kultivieren sind. Da sind technische Hilfsmittel unverzichtbar. Anfangs aus Holz gefertigt, erwiesen sich nach und nach Eisen und Kunststoff als überlegen und bewirkten revolutionäre Entwicklungssprünge. Auch heute befindet sich die Landtechnik in einem revolutionären Umbruch. Sie wird digital und intelligent und so in die Lage versetzt, die Nahrungsmittelproduktion in Zukunft zu gewährleisten.
Was waren wichtige Entwicklungsstufen zum modernen Mähdrescher?
Nach den Handarbeitsgeräten kam die Gespanntechnik. Mit dem von Pferden gezogenen Mähbinder schien Ende des 19. Jahrhunderts das optimale Verfahren für die Getreideernte gefunden zu sein. Doch der Verbrennungsmotor eröffnete neue, zuvor ungeahnte Chancen. Er machte den Mähdrescher, zuerst in gezogener, dann in selbstfahrender Version möglich, in den im Laufe der Jahre zusätzliche Arbeitsgänge integriert wurden. Zu Schnitt und Drusch kamen Reinigung und Sortierung sowie das immer aufwändiger werdende Strohmanagement. Dabei war nichts zufällig. Hinter der Getreideernte mit dem Mähdrescher steckt ausgeklügeltes Know-how - Hightech im wahrsten Sinne des Wortes.
Was glauben Sie persönlich, wo die Entwicklung des Mähdreschers in Zukunft hingehen könnte?
Der Mähdrescher hat eine hohe technische Perfektion erreicht. Dennoch gibt es sowohl bei der Arbeitsleistung als auch bei der Maschinentechnik selbst immer noch Potenzial nach oben. So weist die digitale Revolution den Weg hin zu automatischem und gleichzeitig vernetztem Arbeiten, ohne das es in Zukunft nicht gehen wird. Die Entwicklung wird spannend bleiben, auch wenn am Mähdrescher selbst kein Weg vorbeiführen wird.





