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Über CLAAS

Vom Mähdreschbinder MDB bis zum LEXION ... 

Innovationen am laufenden Band

Mit dem Mähdreschbinder MDB brachte CLAAS 1936 den ersten eigenen Mähdrescher auf den Markt. Knapp 90 Jahre später, im Jahr 2024, hat das Unter­-nehmen die beeindruckende Marke von insgesamt 500.000 produzierten Mähdreschern erreicht. Diese halbe Million sind für Trends ein willkommener Anlass, um im Interview mit Prof. Dr. Thomas Rademacher (re.) von der Technischen Hochschule Bingen auf verschiedene Meilensteine der CLAAS Mähdrescherentwicklung zurückzublicken.

Prof. Dr. Thomas Rademacher 

Es heißt immer wieder, kaum eine andere Technik habe die Landwirtschaft so sehr revolutioniert wie seinerzeit der Mähdrescher – warum? 

 

"Die wenigsten können sich heute noch vorstellen, wie arbeitsintensiv die Getreideernte vorher war. Mit dem Mähbinder gemäht und die Garben von Hand in Hocken aufgestellt, mussten die Getreidepflanzen zunächst trocknen, bevor sie ins Lager kamen. Erst im Winter wurden sie dann auf den Höfen gedroschen, das dauerte etwa 30 Minuten pro Tonne Korn. All diese mühsamen Einzelschritte waren mit Einführung der Mähdruschtechnik überflüssig. Arbeitsaufwand, Wetterrisiko und Ernteverluste wurden drastisch reduziert."

 

Ab 1936 gab es den Mähdresch­binder (MDB) von CLAAS. Es war der erste voll funktionsfähige Mähdrescher speziell für europäische Erntebedingungen.

Nach dem Krieg, ab 1946, startete CLAAS mit der Produktion von gezogenen Mähdreschern. Gebaut wurden sie bis 1978.

 

1995 wurde der erste LEXION vorgestellt. Welche Bedeutung hatte diese Maschine? 

"Im LEXION hatte CLAAS erstmals das vom MEGA bekannte APS-Dreschsystem mit zwei Längsrotoren für die Restkornabscheidung kombiniert. Das bewirkte einen Quantensprung bei der Druschleistung. Nur 1,5 Minuten Erntezeit pro Tonne Weizen beim Lexion 480 war eine bis dahin unvorstellbar kurze Zeit. Ein anderes Novum war der aktive Pendelverteiler, der auch bei großen Arbeitsbreiten ab 7,5 Metern eine gleichmäßige Strohverteilung bot. Die Kabine hatte deutlich mehr Komfort und war erstmals mit dem CEBIS Bordcomputer ausgestattet."

 

1953 kam mit dem HERCULES bzw. SF auch der erste CLAAS Selbstfahrer auf den Markt.

Die ab 1971 verkaufte Baureihe DOMINATOR bot im Vergleich zu den vorherigen Mähdreschern erneut mehr Leistung und mehr Komfort.

Und die heutigen LEXION Mähdrescher brauchen je nach Typ nur noch 0,5 bis eine Minute, um eine Tonne Druschgut zu ernten. Neben dieser enormen Leistungssteigerung hat sich aber auch sonst viel getan. Wie beurteilen Sie z. B. die TERRA TRAC Laufwerke oder die Fahrerassistenzsysteme?

"TERRA TRAC ist ein Meilenstein der Fahrwerktechnologie. Im Vergleich zum Reifen bietet es den entscheidenden Vorteil, dass die Druckverteilung im Boden nicht so tief reicht wie bei herkömmlichen Radlaufwerken. Dadurch ist TERRA TRAC nicht nur ein sehr bodenschonendes Werkzeug, sondern auch integraler Bestandteil eines effizienten Pflanzenbaus, weil sich durch die geringere Bodenverdichtung der Aufwand für die Bodenbearbeitung reduziert."

 

"Mit den CEMOS Fahrerassistenzsystemen ist CLAAS ebenfalls sehr gut aufgestellt. Diese Systeme überprüfen permanent die Einstellungen der verschiedenen Mähdrescheraggregate und passen sie automatisch an die realen Erntebedingungen an. Neben einer deutlichen Entlastung der Fahrer führt das dazu, dass die Maschinen fortlaufend an ihrer Leistungsgrenze gefahren werden können. Auch das kommt direkt der Effizienz und Produktivität des Mähdruschs zugute."

 

 

Der erste LEXION, der 1995 vorgestellt wurde, bewirkte erneut einen Quantensprung bei der Druschleistung. Er benötigte nur 1,5 Minuten Erntezeit für den Drusch von einer Tonne Weizen.

Das mit dem DOMINATOR MEGA eingeführte APS-System mit Beschleunigertrommel und Vorabscheidekorb hat sich so gut bewährt, dass es bis heute in den meisten CLAAS Mähdreschern zum Einsatz kommt.

Wie ist Ihre Einschätzung zum aktuellen Mähdrescherangebot von CLAAS? 

"CLAAS ist sehr gut positioniert. Mit den drei Modellreihen – LEXION, TRION und EVION – kann das Unternehmen für jede Betriebsart einen passenden Mähdrescher anbieten, von den kleineren Eigenmechanisierern über Großbetriebe bis hin zu Lohnunternehmern. Sehr gut ist es, dass die Maschinen im mittleren und unteren Leistungssegment heute auch mit den Regel- und Informationstechniken ausgestattet werden können, die früher ausschließlich im oberen Leistungssegment verfügbar waren. Als weiterer wichtiger Aspekt lassen sich die Maschinen vernetzen, sodass sie ihre Arbeitsdaten mit dem Betriebsbüro oder anderen Maschinen austauschen können."

 

Wie könnten die Entwicklungen in Zukunft weitergehen? 

"Schon die Evolution der LEXION Baureihe von 1995 bis heute hat gezeigt, dass sich die Leistungsdichte trotz fast gleichbleibender äußerer Maschinenabmessungen signifikant erhöht hat. Die Mähdrescherkonstrukteure werden auch zukünftig neue Funktionen der Dresch- und Trennelemente in Kombination mit intelligenten Regeltechniken weiterentwickeln, um diese Leistungsdichte weiter zu steigern."

 

Um zum Anfang unseres Gesprächs zurück­zukehren: Könnte es in der Zukunft wieder eine ähnlich revolutionäre Entwicklung in der Getreideernte wie die Erfindung des ersten Mähdreschers geben?

"Nein, das erwarte ich nicht. Auch wenn Mähdrescher in Zukunft autonom operieren sollten, also ohne Fahrer auskommen, wäre das nicht vergleichbar mit dem bahnbrechenden Fortschritt, den die Erfindung des ersten Mähdreschers darstellte."