Homogenität macht sich bezahlt
Ab 2017 reduzierte er dann nach und nach die Schnittlänge seiner Grassilage von 50 bis 25 Millimeter auf heute 8 Millimeter. Obwohl der Anteil der Grassilage in der Ration mit 3,2 Kilogramm bei knapp 14 Kilogramm SHREDLAGE® gering ist, beobachtete Kim Saß-Hauschildt relativ schnell positive Effekte: „Die Rationen waren von Anfang an homogener, die Kühe selektierten nicht mehr und waren gesünder, weil der pH-Wert im Pansen sehr stabil bleibt. Außerdem ist die Futteraufnahme und damit auch die Milchleistung gestiegen.“
Fütterungsexperte Christian Deux bestätigt diese Entwicklung und nennt noch einen weiteren Vorteil: „Mit Einführung der Kurzschnittgrassilage konnten wir den Grundfutteranteil auf dem Betrieb innerhalb von fünf Jahren von 50 auf bis zu 65 Prozent erhöhen und so die Futterkosten insgesamt senken.“
So groß die Vorteile von Kurzschnittgrassilage in der Fütterung sind, so herausfordernd ist es laut Fütterungsberater Christian Deux, die kürzere Häcksellänge in der Praxis gut umzusetzen. „Gras ist viel heterogener als Mais“, sagt Deux. „Das Material kommt viel ungleichmäßiger bei den Messern des Häckslers an, sprich längs und quer, was einen gleichmäßigen kurzen Schnitt erschwert.“ Für eine gute Kurzschnittsilage müssten deshalb Anpassungen vorgenommen werden, die für Lohnunternehmer einen Mehraufwand bedeuten.
Herausfordernder beim Schnitt
Nach den Erfahrungen von Kim Saß-Hauschildt gehört dazu etwa der volle Messersatz im Häcksler, ausreichend starke, gleichmäßige Schwade und die Anpassung der Fahrgeschwindigkeit an den Trockensubstanz-Gehalt (TS-Gehalt). Während bei hohen TS-Gehalten um 40 Prozent die übliche Geschwindigkeit gefahren werden kann, muss der Häcksler bei TS-Gehalten von unter 28 Prozent langsamer fahren. Denn bei feuchterem Material liegen die Schwade kompakter, was mehr Häckslerleistung erfordert. Saß-Hauschildt schätzt den dadurch bedingten Rückgang der Flächenleistung auf etwa fünf bis zehn Prozent.
Mit den Qualitäten, die sein Lohnunternehmer Uwe Wulf (siehe Extrakasten) erzeugt, ist der Betriebsleiter sehr zufrieden. Dafür nimmt er auch höhere Kosten durch die geringere Flächenleistung in Kauf. „Mir ist bewusst, dass es teurer wird, wenn ich kurze Häcksellängen von meinem Lohnunternehmer verlange. Das ist absolut okay“, sagt Saß-Hauschildt.
Intensive Erntekontrolle
Ein intensives Silo-Controlling gehört für ihn trotzdem immer dazu. Mit regelmäßigen Handproben prüft er beim Einsilieren laufend, ob die gewünschte Häcksellänge umgesetzt wird. „Wenn etwas nicht stimmt, kontaktiere ich sofort den Fahrer, um die Schnittlänge anzupassen“, meint Saß-Hauschildt.
Das ist allein schon wegen der großen TS-Schwankungen innerhalb eines Schlages nötig, die zum Teil bei 15 Prozent und mehr liegen. „Das sehen wir am NIR-Sensor auf dem JAGUAR. Ideal wäre natürlich der Sensor mit einer automatischen Schnittlängenanpassung“, meint der Betriebsleiter. Das wäre auch ganz im Sinne von Fütterungsberater Christian Deux: „Gras immer so kurz wie möglich häckseln, das sollte das Ziel sein.“