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Eine subjektive Geschichte des MĂ€hdreschers
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Eine subjektive Geschichte des MĂ€hdreschers

Eine subjektive Geschichte des MĂ€hdreschers

Wussten Sie, dass der Urahn des MÀhdreschers bereits um 70 nach Christus von den Galliern entwickelt wurde? In unserer Plakatserie zur Geschichte der Landtechnik stellt uns Dr. Klaus Herrmann, ehemaliger Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums, seine persönlichen Technik-Highlights der MÀhdrescherentwicklung vor.

Dr. Klaus Herrmann, Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums 1988 - 2012.

Dr. Klaus Herrmann ĂŒber die MĂ€hdrescherentwicklung

Die weltweite Geschichte der MĂ€hdruschtechnik reicht weit ĂŒber den 1936 von CLAAS vorgestellten MĂ€h-Dresch-Binder zurĂŒck. Genau genommen bis ins Jahr 70 nach Christus, als die Gallier mit dem MĂ€hwagen „vallus“ die Mechanisierung der Getreideernte einleiteten. Wie vielfĂ€ltig sich die MĂ€hdruschtechnik von den AnfĂ€ngen bis heute bei den verschiedenen Herstellern entwickelt hat, zeigt die Übersicht „Eine subjektive Geschichte des MĂ€hdreschers“ (Download unten). Autor des Plakats ist Dr. Klaus Herrmann, Experte fĂŒr historische und aktuelle Landtechnik. Dr. Herrmann war von 1988 bis 2012 der Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums an der UniversitĂ€t Hohenheim.

Herr Dr. Herrmann, der "vallus" der alten Gallier gilt als die Ă€lteste bekannte GetreidemĂ€hmaschine. Was wissen wir heute ĂŒber die Funktionsweise dieser Maschine?

 

Von einem Ochsen oder Maultier wurde das zweirĂ€drige GefĂ€hrt ins Getreidefeld geschoben, das an der Vorderseite ĂŒber aus Eschenholz gefertigte scharfkantige RaffzĂ€hne verfĂŒgte. Mit ihrer Hilfe wurden die Ähren von den Halmen abgestrippt und in einen Kasten fördert. Eine in den 1950er-Jahren von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vorgenommene Rekonstruktion ergab, dass mit dem Gallischen MĂ€hwagen so viel Getreide geerntet werden konnte, wie dies zuvor sieben geĂŒbten Schnittern mit der Sichel möglich war.

Wie entwickelte sich die Getreideernte danach weiter?

Das Wissen um den MĂ€hwagen geriet im Mittelalter in Vergessenheit. Sichel und Sense bestimmten ĂŒber gut anderthalb Jahrtausende die Ernte. Ohne Fortschritt aber war auch diese Zeit nicht. In den Niederlanden entwickelten Bauern zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Hausense, auch Sichte genannt. Typologisch steht sie zwischen Sichel und Sense, brachte grĂ¶ĂŸere FlĂ€chenleistung, die allerdings mit höherem Körnerverlust einherging. Ihr Einsatz wollte wohlĂŒberlegt sein, weshalb das GerĂ€t nur regionale Bedeutung erlangte.


Was waren entscheidende GrĂŒnde fĂŒr die rasante Entwicklung der Landtechnik in den vergangenen zwei Jahrhunderten?

Die von annĂ€hernd einer Milliarde Menschen im Jahr 1800 auf derzeit etwa 7,6 Milliarden Menschen angewachsene Erdbevölkerung verlangt nach mehr und besseren Nahrungsmitteln. Intensivierung von Pflanzenbau und Viehwirtschaft ist das Gebot der Stunde. Hinzu kommen neue, ertragreiche Pflanzen, die ohne effiziente Verfahren nicht erfolgreich zu kultivieren sind. Da sind technische Hilfsmittel unverzichtbar. Anfangs aus Holz gefertigt, erwiesen sich nach und nach Eisen und Kunststoff als ĂŒberlegen und bewirkten revolutionĂ€re EntwicklungssprĂŒnge. Auch heute befindet sich die Landtechnik in einem revolutionĂ€ren Umbruch. Sie wird digital und intelligent und so in die Lage versetzt, die Nahrungsmittelproduktion in Zukunft zu gewĂ€hrleisten.


Was waren wichtige Entwicklungsstufen zum modernen MĂ€hdrescher?

Nach den HandarbeitsgerĂ€ten kam die Gespanntechnik. Mit dem von Pferden gezogenen MĂ€hbinder schien Ende des 19. Jahrhunderts das optimale Verfahren fĂŒr die Getreideernte gefunden zu sein. Doch der Verbrennungsmotor eröffnete neue, zuvor ungeahnte Chancen. Er machte den MĂ€hdrescher, zuerst in gezogener, dann in selbstfahrender Version möglich, in den im Laufe der Jahre zusĂ€tzliche ArbeitsgĂ€nge integriert wurden. Zu Schnitt und Drusch kamen Reinigung und Sortierung sowie das immer aufwĂ€ndiger werdende Strohmanagement. Dabei war nichts zufĂ€llig. Hinter der Getreideernte mit dem MĂ€hdrescher steckt ausgeklĂŒgeltes Know-how - Hightech im wahrsten Sinne des Wortes.


Was glauben Sie persönlich, wo die Entwicklung des MÀhdreschers in Zukunft hingehen könnte?

Der MĂ€hdrescher hat eine hohe technische Perfektion erreicht. Dennoch gibt es sowohl bei der Arbeitsleistung als auch bei der Maschinentechnik selbst immer noch Potenzial nach oben. So weist die digitale Revolution den Weg hin zu automatischem und gleichzeitig vernetztem Arbeiten, ohne das es in Zukunft nicht gehen wird. Die Entwicklung wird spannend bleiben, auch wenn am MĂ€hdrescher selbst kein Weg vorbeifĂŒhren wird.

 

Plakat hier downloaden

Die Plakatserie im vollstĂ€ndigen Überblick:

 

  • "Eine subjektive Geschichte des MĂ€hdreschers" (Teil 1), zum Artikel geht es hier lang.
  • "Eine subjektive Geschichte der Halmfutterernte " (Teil 2), zum Artikel geht eshier lang.
  • "Eine subjektive Geschichte des Traktors" (Teil 3), zum Artikel geht es hier lang.