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Über CLAAS

Das Werk in Chinas Kornkammer.

Morgens um sieben ist es auf dem Werksgelände im chinesischen Gaomi noch ruhig. Während die einen sich auf den Arbeitstag vorbereiten, frühstücken die Auswärtigen und BewohnerInnen des Wohnheims noch rasch in der Betriebskantine, bevor es los geht. Überall hört man, wie die Mitarbeitenden einander begrüßen, über die Abteilungen hinweg und unabhängig von ihren Positionen: Man kennt sich.

 

Für viele Aussenstehende ist das zunächst eine ungewohnte Szene. Traditionell sind die Hierarchien in chinesischen Unternehmen strikter, direkte Begegnungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden seltener. Doch bei CLAAS in Gaomi setzt man auf eine offene Unternehmenskultur. Die Idee dahinter: Wer Landmaschinen von CLAAS baut, muss höchste Qualitätsansprüche erfüllen – und das gelingt am besten, wenn alle am Standort an einem Strang ziehen.

Flache Hierarchien und offene Kommunikation. 

 

Um eine Kultur der Offenheit zu fördern, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Formate eingeführt, darunter vierteljährliche Townhall-Meetings. Hier werden die Mitarbeitenden über neueste Geschäftsentwicklungen informiert und die Geschäftsführung beantwortet ihre Fragen, die jeder im Vorfeld per App einreichen kann – auf Wunsch auch anonym. Ziel ist es, den Austausch zu stärken und Mitarbeitende dazu zu ermutigen, ihre Ideen einzubringen. Denn in einem Markt, in dem Qualität und Innovation zählen, sind es oft gerade die kleinen Impulse aus dem Arbeitsalltag, die den entscheidenden Unterschied machen.

Das Format ist unter den Mitarbeitenden beliebt und wird geschätzt. Ein großer Erfolg ist auch das neu eingeführte Vorschlagswesen: Angestellte können via App Verbesserungsideen vorlegen, was zu vielen Optimierungen in der Produktion geführt hat. Gut kommt auch die offene Kommunikations- und positive Fehlerkultur an.

 

All das wird unterstützt durch eine App, die vom Chef bis zum Praktikanten jeder auf dem Handy hat. Über sie können Arbeitszeiten und Zugangsberechtigungen erfasst, Geschäftsreisen und Ferien beantragt, Besucher angemeldet und auch das Essen in der Kantine bezahlt werden.

Mehrere hundert Maschinen pro Jahr.

 

Diese Veränderungen der Unternehmenskultur in den vergangenen Jahren haben zu dem Erfolg des Standorts beigetragen. 2014 wurde er als Joint Venture mit einem chinesischen Unternehmen gegründet. Seit 2016 firmiert das Werk als „CLAAS Agricultural Machinery (Shandong) Co. Ltd.“ und gehört ganz dem deutschen Konzern.

Nach anfänglichen Herausforderungen bei der Etablierung im chinesischen Markt produziert CLAAS in Gaomi heute mehrere hundert Maschinen pro Jahr – hauptsächlich Mähdrescher. Diese werden unter dem Namen CLAAS sowie unter dem einheimischen Markennamen CHUNYU überwiegend für den chinesischen Markt gefertigt. Seit einigen Jahren bereitet man sich in Gaomi auf den Export in ausländische Märkte vor.

Insgesamt 600 Mitarbeitende hat der Standort und verfügt über ein umfassendes Vertriebs- und Servicenetz in Zentral- und Nordchina. Bis heute ist CLAAS die einzige deutsche Firma in Gaomi. Die Stadt – mit 900.000 Einwohnern für chinesische Verhältnisse eher klein – liegt in der Provinz Shandong, einer der landwirtschaftlichen Hauptregionen Chinas, die als die Kornkammer des Landes gilt. Die Millionenmetropole Shanghai ist siebeneinhalb Autostunden entfernt, mit der Bahn lässt sich die Strecke in rund sechs Stunden schaffen.

Besser als manche deutsche Zulieferer.

 

Jeden Morgen um neun Uhr findet im Besprechungsraum neben der Montage das sogenannte „Morning Operation Briefing“ statt. In dem Termin besprechen die Abteilungs- und Bereichsleiter eine halbe Stunde lang aktuelle Themen. In diesem Zirkel lässt er sich über Fortschritte und Herausforderungen informieren. Dabei ist stets auch Shirley Wang. Die 37-Jährige ist die Leiterin der Qualitätsabteilung bei CLAAS am Standort Gaomi.

„Die CLAAS Unternehmenskultur ist von gegenseitiger Unterstützung und Vertrauen geprägt“, sagt sie. Das Quality Department müsse besonders eng mit der Produktion, der Design-Abteilung und den Kunden zusammenarbeiten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Und die Arbeit von Shirley Wang und ihrem 37-köpfigen Team wirkt.

Das zeigt sich insbesondere daran, dass Gaomi auch CLAAS Industrietechnik beliefert – ein Tochterunternehmen der CLAAS Gruppe, das in Paderborn ansässig ist. Die entstehenden Bauteile werden in CLAAS Maschinen auf der ganzen Welt eingesetzt. Der Konzern-Hauptsitz in Harsewinkel bescheinigte dem Werk in Gaomi vor Kurzem, bessere Qualität als manch deutscher Zulieferer zu produzieren.

Das liegt nicht zuletzt an der engen Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg. In den letzten Jahren haben in Gaomi und in Harsewinkel regelmäßig deutsche und chinesische Mitarbeiter in Tandem-Teams gearbeitet. Hinzu kommt: CLAAS investiert auch in Gaomi viel in die Weiterbildung seiner Fachkräfte. Selbst in der Pandemie – inmitten der „Null-Covid“-Politik in China – flogen chinesische Kolleginnen und Kollegen nach Harsewinkel, um dort Seminare zu absolvieren.

Xiandian Meng schätzt den Austausch innerhalb der CLAAS Gruppe sehr. Der 35-Jährige Leiter des Einkaufs war bis Ende 2022 Chef der CLAAS Industrietechnik-Abteilung in China und in engem Austausch mit den deutschen CLAAS Industrietechnik-Kolleginnen und -Kollegen in Paderborn. Meng hat seinen Master in Maschinenbau an der RWTH Aachen absolviert und ist überzeugt, dass sich deutsche und chinesische Kultur gut ergänzen. Chinesen seien häufig äußerst effizient und flexibel, während Deutsche hohen Wert auf Akkuratesse legten, erklärt er.

„Meine Kolleginnen und Kollegen in Gaomi müssen sich nur etwas daran gewöhnen, dass Deutsche direkter in der Kommunikation sind als wir.“ Punkte, die Chinesen tendenziell höflich und indirekt umschreiben würden, sprächen Deutsche oft ohne Umschweife an. „Mit der Zeit weiß man aber, dass das nicht persönlich, sondern rein sachlich gemeint ist“, sagt er mit einem Lachen.

Duale Ausbildung als Erfolgsrezept.

 

Ein weiteres Stück deutscher Unternehmenskultur ist die duale Technikerausbildung in Gaomi. Das System ist in China kaum bekannt, erläutert Qian Liu, der „Dual Education Training Manager“ des Werks. Der 38-jährige Ingenieur, seit September 2021 bei CLAAS, arbeitete zuvor unter anderem für BMW in China und ist ein Freund der deutschen Ausbildungskultur.

Normalerweise rekrutieren chinesische Firmen College-Absolventen nach ihrem Abschluss und bilden diese anschließend aus. Bei CLAAS hingegen arbeiten die Auszubildenden neben dem College einen großen Teil ihrer Zeit im Werk. „Beim Abschluss kennen die jungen Techniker den Betrieb schon und sie haben ein klares Karriereziel vor Augen“, sagt Liu. „Das schätzen sie sehr.“ Zwölf Absolventinnen und Absolventen haben das Programm bisher abgeschlossen – und wenn es nach der Firma geht, sollen es noch weit mehr werden.
 

 

Ein wichtiger Markt der Zukunft.

 

Das passt zu den China-Plänen von CLAAS: Der Konzern entwickelt den Exportanteil des Werks in Gaomi – mit Mähdreschern für Europa, Afrika und Zentralasien. Auch das Geschäft mit Komponenten für andere Werke gewinnt an Bedeutung, da es CLAAS hilft, Vorteile bei der Beschaffung und der Eigenfertigung auszuspielen.

„China bleibt für uns ein wichtiger Markt der Zukunft, dessen Besonderheiten und Rahmenbedingungen wir allerdings immer kritisch verfolgen müssen“, sagt Bernd Kleffmann, Senior Vice President Product Unit Combines Range C-F bei CLAAS. „Die Selbstversorgung mit Nahrung hat für China einen hohen Stellenwert. Deshalb finden Produkte aus verschiedenen CLAAS Standorten ihre Kunden in China. Nicht zuletzt auch Mähdrescher in Grün und Rot aus Gaomi.“

 

Das Werk in Gaomi wächst – und mit ihm die Ambitionen der Belegschaft. Die flachen Hierarchien und der offene Austausch zahlen sich aus: Wer sich einbringen will, findet Gehör, und wer Verantwortung übernimmt, kann die Zukunft des Standorts aktiv mitgestalten.

 

Während es am Wochenende in der Kantine ruhiger zugeht, füllt sich der Raum am Montagmorgen wieder mit Stimmen. Ab sieben Uhr beginnt für die Mitarbeitenden der neue Arbeitstag – und mit ihm ein weiterer Schritt in Richtung einer immer moderneren, zukunftsorientierten Produktion.

Von Landwirtschaft bis Literatur: fünf Fakten zu Gaomi.

 

1.

Gaomi ist ein Landkreis der Region Weifang, die schon seit Jahrzehnten als Produktionsstandort von Landmaschinen wie Mähdreschern und Traktoren bekannt ist. Als wachsender Wirtschaftsstandort ist Gaomi sowohl landwirtschaftlich als auch industriell geprägt. Die Provinz Shandong, in der der Kreis liegt, ist berühmt als Kornkammer und Anbaugebiet für Gemüse.

 

2.

Mit 877.000 Einwohnern – zum Vergleich: Frankfurt am Main hat 753.000 Einwohner – ist die gleichnamige Kreisstadt Gaomi für chinesische Verhältnisse klein. Kein Wunder: In der Provinz Shandong leben über 101 Millionen Menschen – mehr als in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen.

 

3.

Die Stadt Gaomi hat eine Bevölkerungsdichte von 550 Einwohnern pro Quadratkilometer. Damit ist sie mehr als doppelt so dicht besiedelt wie Deutschland.

 

4.

Der Schriftsteller Mo Yan – der erste chinesische Literaturnobelpreisträger – stammt aus Gaomi. Die meisten seiner Romane spielen in der Stadt. So auch „Das rote Kornfeld“ – Originaltitel: „Rote-Sorghum-Familie“ –, mit dem ihm 1986 der literarische Durchbruch gelang. Die Verfilmung des Regisseurs Zhang Yimou wurde 1987 ein internationaler Erfolg.

 

5.

Aufgrund von Mo Yans Roman ist Gaomi in China für seinen roten Sorghum bekannt. Die Hirseart wird in der Region angebaut. Sorghum ist nicht nur ein weltweites Grundnahrungsmittel, sondern dient auch als Viehfutter.