In der Gemeinde Niedenstein geht es behaglich zu. Die hügelige Landschaft mit fruchtbaren Böden und ausreichend Niederschlag eignet sich für den Ackerbau. Auch Sven Damm stammt von einem Ackerbaubetrieb und es war schon immer sein Wunsch, Landwirt zu werden. Familie Damm baute 2012 mit drei weiteren Gesellschaftern eine heute 1.030-kW-Biogasanlage, die zu 70 Prozent mit Gülle und Mist gefahren wird. „Den Rest füttern wir mit Maissilage zu“, wirft Damm ein. Das Besondere an der Anlage ist, dass von Beginn an ein Wärmenetz in die Stadt Niedenstein führte und dort zahlreiche Gebäude wie Feuerwehr, Seniorenheim, Kindergärten, aber auch ein Supermarkt die Abwärme nutzen. Sven Damm entschied sich, Agrarwissenschaften in Göttingen zu studieren und nutzte die Zeit, um intensiv über eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des elterlichen Betriebes nachzudenken. Das ist sicherlich nichts Besonderes, da der gleiche Wunsch in vielen Köpfen seiner Kommilitonen schwirrte. Doch Sven Damm blickte weiter als viele andere. „Ich wollte einen Weg finden, den Betrieb zukunftsträchtig aufzustellen und die Abwärme unserer flexibilisierten Biogasanlage sinnvoll zu nutzen.“
Augen auf und Horizont erweitern
Die Leitungen in Richtung Niedenstein waren zu klein, um die gesamte Wärme in den Ort zu transportieren. „Tierhaltung im klassischen Sinne fiel schnell heraus, da wir in unserer Gemeinde eine sehr kritische Bevölkerung zu diesem Thema haben. Andere Betriebe haben vor uns extrem schlechte Erfahrungen gemacht, was Stallneubauten angeht.“ Für Sven Damm stand fest, er muss einen anderen Weg einschlagen. Doch welcher sollte es sein? Er hatte Glück. An seinem Studienstandort Göttingen gab es eine kleine Arbeitsgruppe zum Thema Aquakulturen. „Das hat mir sehr geholfen. Ich bin auf das Thema aufmerksam geworden, habe die Vorlesungen besucht und dann beschlossen, mich intensiver mit der Garnelenzucht auseinanderzusetzen“, berichtet Damm. In den Vorlesungen ging es zwar hauptsächlich um Teichwirtschaft, doch erst einmal in die Tiefen der Aquakultur eingestiegen, machte Damm sich auf die Suche, was in Deutschland schon alles so möglich war. „Ich wusste schnell, dass Fischwirtschaft aufgrund des Verarbeitungsaufwandes für uns keine Option ist. Außerdem ist der Preisdruck in der Branche sehr hoch“, erklärt Sven Damm. Im Garnelenbereich rechnete er sich bessere Chancen bei einem Einstieg aus. Die Garnele ist ein hochwertiges und hochpreisiges Produkt. „Da habe ich für uns gute Vermarktungschancen gesehen“, wirft der Junglandwirt ein. Sein Vater hat seine Entscheidung von Anfang an mitgetragen und hat seinem Sohn die Führungsrolle in dem neuen Geschäftsfeld überlassen. „Ich hatte die Freiheit, die Richtung vorzugeben. Die Familie hat die Entscheidung aber voll mitgetragen. Ansonsten würde es auch nicht funktionieren“, merkt Sven Damm an.
Blick ins Ausland
Er besichtigte einige Anlagen in Belgien und in Österreich. Nachdem die endgültige Entscheidung zum Bau der Garnelenanlage gefallen war, holte Damm einen Ingenieur mit Erfahrung in der Garnelenzucht, Wasseraufbereitung und Wassersanierung mit ins Boot. Die heute entstandene Anlage ist keine Anlage von der Stange. Das gibt es in diesem Bereich noch nicht. Sie ist zusammen mit den Ingenieuren betriebsindividuell entwickelt worden. Das Investitionsvolumen lag bei 1,5 Millionen Euro.
Wo liegt die größte Herausforderung?
Auf diese Frage antwortet Sven Damm sehr ernst. „Wir haben viel mit Technik zu tun und mit Wasserbiologie. Unsere Anlage wurde neu zusammengestellt. Hier musste ich viele Erfahrungen sammeln und auch Lehrgeld bezahlen“, gibt der 33-Jährige offen zu. Es mussten einige Anpassungen und Weiterentwicklungen an der Anlage vorgenommen werden, bis dann alles passte und sich die Erträge einstellten. Die Wasserqualität ist immer wieder Thema bei der Garnelenaufzucht. Alle Wasserparameter müssen sich im Optimum befinden. Sowie ein Parameter aus dem Ruder läuft, beeinflusst dies weitere Parameter und es setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. „Die Garnelen reagieren sofort. Sie vertragen keinen Stress. Die Zunahmen sinken, die Garnelen nehmen kein Futter mehr auf. Vergleicht man die Garnelenzucht mit unserer Biogasanlage, so ist die Garnele deutlich empfindlicher und schwerer zu führen“, merkt Sven Damm lachend an. „Es liegt auch ein bisschen daran, dass es in der Biogasbranche deutlich mehr Experten gibt, von denen man lernen kann.“ Auf eine professionelle Beratung in der Garnelenzucht kann der Landwirt nicht direkt zugreifen, doch er hat sich international inzwischen ein gutes Netzwerk aufgebaut. Der Erfahrungsaustausch ist immens wichtig.






