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Autonomie ist die Chance, Schlagkraft und Planbarkeit zu erhöhen.
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Experteninterview

Unser Weg in Richtung Autonomie startet jetzt.

Autonomie ist die Chance, Schlagkraft und Planbarkeit zu erhöhen.

Autonomie ist die Chance, Schlagkraft und Planbarkeit zu erhöhen.

Autonome Landmaschinen sind in aller Munde. Werden wir Zeugen eines der größten Evolutionssprünge in der über 10.000 Jahre langen Geschichte der Landwirtschaft – oder „nur“ des nächsten konsequenten Entwicklungsschritts? Woran würden Sie festmachen, dass es ein echter Sprung ist?

 

Thijs Verploegen: Autonomie ist kein plötzlicher Big Bang – aber es kann ein echter Sprung werden, wenn sie vom Messe-Highlight zum Alltagstool wird. Wir arbeiten seit über 25 Jahren an Automatisierung – Lenksysteme waren die erste große Stufe. Der Sprung ist erreicht, wenn Autonomie zuverlässig funktioniert: sicher, reproduzierbar und skalierbar. Und genau dahin bringen wir sie.

 

Thiebaud Rusterholtz: Der Druck auf landwirtschaftliche Betriebe nimmt stetig zu: Sie müssen höhere Erträge liefern und gleichzeitig Produkte in höchster Qualität erzeugen – unter Einhaltung strenger Anforderungen durch Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards. Autonome Systeme unterstützen Landwirte dabei, ihre Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Rund-um-die-Uhr-Lösungen tragen dazu bei, Stress in arbeitsintensiven Spitzenzeiten zu reduzieren, fehlende Arbeitskräfte zu kompensieren und Fahrer sowie Maschinenführer in ihrem Arbeitsalltag zu entlasten.

"Die Realität verändert sich: Personal wird knapper, Zeitfenster werden enger. Autonomie ist die Chance."

Thijs Verploegen

Warum sollte sich jeder Landwirt und jeder Lohnunternehmer jetzt mit dem Thema beschäftigen? Wo liegen die größten Chancen? Geht es eher um Schlagkraft, Personal, Präzision, Dokumentation – oder alles zusammen?

 

Thiebaud Rusterholtz: Autonomie unterstützt landwirtschaftliche Betriebe auf vielfältige Weise. In Regionen, in denen qualifizierte Fachkräfte fehlen, ermöglichen hoch entwickelte Assistenzsysteme eine zuverlässige Umsetzung geplanter Arbeitsprozesse. Durch präzise Vorplanung wird nicht nur die termingerechte Durchführung sichergestellt, sondern auch eine konstant hohe Arbeits- und Ergebnisqualität gewährleistet. In Gebieten mit akutem Mangel an Maschinenführern bieten autonome Lösungen eine effektive Möglichkeit, fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen und sicherzustellen, dass Aufgaben fristgerecht ausgeführt werden.

 

Thijs Verploegen: Die Realität verändert sich: Personal wird knapper, Zeitfenster werden enger. Autonomie ist die Chance, Schlagkraft und Planbarkeit zu erhöhen – ohne dass der Stress automatisch mitwächst.

Manche Skeptiker sagen: „Für mich ist das nichts – zu kompliziert, zu riskant.“ Was entgegnen Sie?

 

Thiebaud Rusterholtz: Als Team stellen wir den Anwender während sämtlicher Entwicklungsphasen konsequent in den Mittelpunkt. Ziel ist die Entwicklung eines hochkomplexen Systems, das gleichzeitig möglichst einfach und intuitiv zu bedienen ist. Unser Anspruch ist es, Nutzern mit unterschiedlichsten Qualifikationen den Platz auf dem Fahrersitz zu ermöglichen. Das Prinzip „Keep it simple“ ist dabei fest in unserem Denken verankert und bildet unser tägliches Leitmotiv in der Entwicklung.  

 

Thijs Verploegen: Völlig fair. Landwirtschaft ist kein Spielplatz – Skepsis ist gesund. Das kenne ich in meinem Alltag schon gut. Unsere Antwort ist: Autonomie muss auf fast schon langweilige Art und Weise zuverlässig sein. Einfach zu bedienen, sicher im Betrieb, wirtschaftlich im Ergebnis.

Angenommen, jemand will seinen Betrieb konsequent in Richtung Autonomie entwickeln, aber weiß nicht, wo er anfangen soll. Welche ersten Schritte empfehlen Sie konkret?

 

Thijs Verploegen: Erst das Fundament: Maschinen, Flotte und Schläge digital sauber aufsetzen. Das geht mit CLAAS connect heute schon ganz einfach. Dann: praxisnah testen, z.B. mit einem Autonomie-Kit oder einer Mietmaschine. Wichtig ist: klein starten, sauber lernen, dann skalieren – statt direkt den ganzen Betrieb umzubauen.

 

Thiebaud Rusterholtz: Der erste und entscheidende Schritt ist die präzise Erfassung der Feldgrenzen, damit alle Arbeitsprozesse korrekt und exakt umgesetzt werden können. Grundsätzlich gelten dabei dieselben Anforderungen wie bei konventionellen Arbeitsverfahren: Alle vorbereitenden Maßnahmen, die für den herkömmlichen Einsatz notwendig sind, müssen auch für autonome Einsätze umgesetzt werden.

"Bisher lag der Schwerpunkt der Verantwortung beim Maschinenführer. Mit autonomen Systemen verlagern sich diese Aufgaben  zunehmend auf den Betriebsleiter."

Thiebaud Rusterholtz

CLAAS betont: Automatisierung übernimmt Aufgaben, aber nicht die Kontrolle. Wie verändert das die Rolle von Landwirten und Lohnunternehmern und was machen sie in fünf bis zehn Jahren anders als heute? Welche Faktoren werden wichtiger bzw. unwichtiger?

 

Thijs Verploegen: Die Rolle verschiebt sich klar: weniger Lenkradzeit, mehr Systemführung. Landwirte und Lohnunternehmer werden stärker zu Prozessmanagern: planen, orchestrieren, überwachen, Qualität sichern. Wichtiger wird: Planbarkeit, Datenqualität, Zuverlässigkeit, Servicefähigkeit. Unwichtiger wird: „Wer sitzt die meisten Stunden auf der Maschine?“ als Maßstab für Leistung.

 

Thiebaud Rusterholtz: Bisher lag der Schwerpunkt der Verantwortung beim Maschinenführer. Dieser musste die Arbeitsgeräte korrekt einstellen und das Fahrverhalten des Traktors an die jeweiligen Einsatzbedingungen anpassen, beispielsweise in Bezug auf Schlupf, Bodenfeuchte oder Bodenverdichtung. Mit autonomen Systemen verlagern sich diese Aufgaben und Verantwortlichkeiten zunehmend auf den Betriebsleiter.

CLAAS entwickelt seine Systeme in enger Zusammenarbeit mit Landwirten und Lohnunternehmern. Können Sie konkrete Beispiele nennen, wo das Feedback der Kunden Einwirkungen auf die Entwicklung hatte?

 

Thijs Verploegen: Erst das Fundament: Maschinen, Flotte und Schläge digital sauber aufsetzen. Das geht mit CLAAS connect heute schon ganz einfach. Dann: praxisnah testen, z.B. mit einem Autonomie-Kit oder einer Thijs Verploegen: Ein ganz konkretes Learning war das Set-up: Kunden haben gesagt, das muss mobil an der Maschine funktionieren – und zwar geführt, nicht kompliziert. Deshalb setzen wir weniger auf „Formulare-Ausfüllen“ und mehr auf Schritt-für-Schritt-Workflows, die Fehler reduzieren und den Einstieg leichter machen. Autonomie gewinnt nicht durch mehr Features – sondern durch weniger Hürden im Alltag.

Gab es einen Moment – im Feldtest oder beim Kunden –, in dem Sie dachten: „Jetzt wird’s ernst, jetzt geht es los – jetzt ist Autonomie nicht mehr Theorie“? Was ist da passiert? Und was hat Sie persönlich dazu motiviert, das Thema eng zu betreuen?

 

Thijs Verploegen: Das erste Mal einem Prototypen der XERION 12er Baureihe ohne Fahrer hinterherzufahren, war ein Moment, den ich nicht vergesse. Weil da klar wurde: Das ist nicht nur Technik – das kann Zeit zurückgeben. Zeit für Entscheidungen, für den Betrieb, für Menschen. Autonomie ist dann gut, wenn sie echte Probleme löst – nicht, wenn sie nur beeindruckt.

 

Thiebaud Rusterholtz: Bei mir was es auch die Erfahrung mit dem XERION, die mich fasziniert hat. Einige Wochen vor der Agritechnica 2023 wurde in Grubbenvorst deutlich, wie greifbar autonome Landtechnik inzwischen geworden ist. Ein rund 18 Tonnen schwerer Traktor arbeitete vollkommen selbstständig und zog ein neun Meter breites Grubbergerät – vollständig ohne Fahrer an Bord.